Karl Ernst Wicke (* 17.09.1898, + nach Oktober 1963) war Angehöriger der deutschen Zollverwaltung und hat unter anderem das Marschlied des Zollgrenzschutzes geschaffen.

wicke02 kÜber sein Leben vor 1945 sind nur wenige Daten bekannt. Er trat am 11.03.1920 in die Reichsfinanzverwaltung ein, wurde am 01.12.1921 zum Oberzollsekretär und am 01.10.1926 zum Zollinspektor ernannt, 1930 arbeitete er in der Zollfahndungsstelle beim Landesfinanzamt Hannover. Es kann angenommen werden, dass er damals, genauso wie nach dem Krieg, im Musikwesen der Zollverwaltung eine aktive Rolle spielte, denn etwa Mitte 1941 komponierte er das Marschlied des Zollgrenzschutzes. 1942 leitete Wicke im Rang eines Bezirkszollkommissars das Zollgrenzschutz-Ausbildungslager Differdingen.

Nach dem Krieg, hier lässt sich kein genaues Datum nennen, war Wicke im Rang eines Zollrats ständiger Vertreter des Vorstehers des Hauptzollamtes (HZA) Coburg, bis er am 01.11.1955 Vorsteher des HZA Hof (Saale) wurde. Die Einführung in das Amt wurde am 17.11.1955 vom damaligen Leiter der Oberfinanzdirektion Nürnberg, Pollinger, vollzogen. Mit Wirkung zum 01.04.1958 wurde er zum Regierungsrat ernannt, die Urkunde erhielt er von Finanzpräsident Walter Eulitz am 11.04.1958, der in den 1960er Jahren das Buch Geschichte des Zollgrenzdienstes schrieb.
Während seiner Zeit in Hof wurde der Innenhof des HZA in eine parkähnliche Anlage mit Springbrunnen verwandelt, Wohnungsbaumaßnahmen für die Zöllner durchgeführt und Neuerungen wie der Sprechfunk eingeführt. Im Jahr 1958 bestand das HZA Hof seit 125 Jahren, die Feierlichkeiten und die im Rahmenprogramm stattfindenden Ausstellung Der deutsche Zoll in Vergangenheit und Gegenwart organisierte Wicke.

Ab 1956 widmete sich Wicke wieder der Zollmusik und bildete aus einer bestehenden Hauskapelle des HZA Hof einen kleinen Streichkörper, dessen Musik seinen Ansprüchen aber wohl nicht genügte. So gründete er kurz danach die Zollkapelle der Oberfinanzdirektion Nürnberg, die bis heute ihren Sitz in Hof hat und im Jahr 2016 ihr 60jähriges Bestehen feierte. Zum ersten größeren Auftritt kam es 1957 beim Sportfest der OFD Nürnberg in Weiden und auch nachdem Wicke im Jahr 1958 die Leitung der Kapelle abgegeben hatte, blieb er ihr verbunden und bezeichnete sie als sein Lieblingskind. 1960 komponierte er den Marsch Zöllnertreue, der am 30.06.1960 uraufgeführt wurde, dessen Komposition heute aber als verschollen gilt.

img1939 02 kAm 01.06.1961 übernahm Wicke die Stelle des Vorstehers des HZA Mainz. Einen Tag vorher wurde er in Hof im Rahmen einer Feierstunde verabschiedet. Laut Chronik fand diese ohne einen offiziellen Vertreter der OFD statt, was möglicherweise an einem gestörten Verhältnis zwischen beiden Seiten lag. Eventuell liegt darin auch der Grund für die Versetzung. Bei Einbruch der Dunkelheit dirigierte er im Fackelschein die große Fackelserenade mit Kesselpauken und Solotrompete.
Von 1961 soll auch das Foto oben links stammen, das ihn mit den Kragenspiegeln eines Zollinspektors zur Anstellung gemäß der Bekleidungsvorschrift von 1951 zeigt und damit seltsamerweise zu einem Zeitpunkt, an dem er bereits Regierungsrat war.
Am 01.10.1963 ging Karl Ernst Wicke in Pension, weiteres ist momentan nicht bekannt.

Wicke wird als militärisch geprägter Charakter beschrieben. Insbesondere sein soldatischer Ton, das entsprechende Auftreten und die mit militärischen Begriffen durchsetzte Redeweise waren kennzeichnend. Dennoch scheint er nicht in der Reichswehr gedient zu haben, da er bereits 1920 in die Reichsfinanzverwaltung eintrat, die Teilnahme am 1. Weltkrieg ist aber durchaus denkbar.

Vermutlich stammen folgende Bände der 1954/55 im Hermes-Verlag erschienenen Reihe Frage- und Antwort-Bücherei aus seiner Feder:

  • Band 1: Beamtenrecht einschließlich Disziplinarrecht und Disziplinarverfahren
  • Band 2: Staatskunde, Staats- und Verfassungsrecht unter eingehender Behandlung des Grundgesetzes der BRD
  • Band 3: Reichsabgabenordnung - Teil 1 Besteuerung
  • Band 5: Zollrecht
  • Band 6: Zollrecht

Herzlichen Dank an Detlev Zuckarelli und Max Sommerer für das Zusammentragen von Informationen und die Bereitstellung für diese Seite, sowie an die Frankenpost für die Genehmigung zur Verwendung des Fotos (oben links).
Die Zollkapelle Hof ist inzwischen auch im Internet vertreten: Zollkapelle Hof bei Zoll.de