Johannes Friedrich Heinrich Hoßfeld (*24.07.1879 in Berlin, +26.04.1946 in Sachsenhausen) war eine führende Persönlichkeit in der Reichsfinanzverwaltung und zuletzt Generalinspekteur des Zollgrenzschutzes.

Privates

img1917 kJohannes Hoßfeld war verheiratet, hatte zwei Kinder und gehörte dem Protestantismus an. 1898 legte er seine Reifeprüfung am Luisengymnasium in Berlin ab, danach studierte er bis 1902 Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und Kiel, er war Corpsmitglied. Auch wenn seine Karriere in der preußischen Finanzverwaltung und später der des Reichs in kurzen Abständen ablief, scheint er sowohl vor als auch während des Ersten Weltkrieges Militärdienst geleistet zu haben, er war Kapitänleutnant der Reserve.

Hoßfeld trat Ende 1936 in die NSDAP ein. In der SS bekleidete er seit 1934 den Rang eines Sturmführers und seit 1937 den Rang eines SS-Hauptsturmführers. Weiterhin war er Mitglied der NS-Volkswohlfahrt und des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.

Nach der Besetzung Berlins durch die Rote Armee wurde Hoßfeld am 30.07.1945 durch den Sowjetischen Geheimdienst verhaftet, aufgrund seines hohen Rangs und weil er Mitglied in verschiedenen NS-Organisationen gewesen war. Er kam zunächst in das Speziallager Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen, später in das Lager Sachsenhausen, wo er am 26. April 1946 verstarb (herzlichen Dank an Enrico Heitzer von der Gedenkstätte Sachsenhausen für die Auskünfte).

Karriere im Staatsdienst
Jahr Beförderung / Einsatz
1903 Gerichtsreferendar
1908 Gerichtsassessor
1909 Oberzolldirektion Berlin
1910 Regierungsassessor
1911 kommissarischer Oberzollkontrolleur beim Hauptzollamt Myslowitz
1911 Hilfsarbeiter Oberzolldirektion Berlin
1912 Hilfsarbeiter Reichsschatzamt
1913 Oberzollkontrolleur beim Hauptzollamt Eydtkuhnen
1915 Oberzolldirektion Kassel
1916 Regierungsrat
1916 Oberzolldirektion Berlin
1919 vortragender Rat, Geheimer Finanzrat im preußischen Finanzministerium
1920 Ministerialrat im Reichsfinanzministerium
1927 Ministerialdirigent
1932 Präsident Landesfinanzamt Schlesien
1933 Kommissarischer Leiter Landesfinanzamt Oberschlesien
1934 Präsident Landesfinanzamt Schlesien
1936 Kommissarischer Leiter Landesfinanzamt Brandenburg
1936 - 1942 Präsident Landesfinanzamt (ab 1937 Oberfinanzpräsidium) Brandenburg
1937 Generalinspekteur des Zollgrenzschutzes

 

Generalinspekteur des Zollgrenzschutzes

img417 kAm 22.03.1937 wurde Hoßfeld zum Generalinspekteur des Zollgrenzschutzes (GIZ) ernannt. Vorausgegangen war eine hitzige Auseinandersetzung des Reichsfinanzministeriums (RFM) mit dem preußischen Ministerpräsidenten, Hermann Göring, und dem Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler. Himmler versuchte damals, den Zollgrenzschutz unter seine Kontrolle zu bringen, um alle Sicherheitsorgane des Reichs in seiner Hand zu vereinigen. Hierbei war eine Abwehrmaßnahme des RFM die kurzfristige Schaffung des Zollgrenzschutzes und der Funktion des GIZ, um eine zentrale und einheitliche Führung zu gewährleisten. Dabei handelte es sich beim Zollgrenzschutz eher um eine Änderung der Begrifflichkeit des danach nahezu unveränderten Grenzaufsichtsdienstes. Allerdings holte das Ministerium die beamtenrechtlich vorgeschriebene Genehmigung der Reichskanzlei erst im Oktober 1937 ein.

img592 kHoßfeld war dem Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, unterstellt, auch wenn sich ab Kriegsbeginn Minister Schwerin von Krosigk zunehmend um die Belange des Zollgrenzschutzes selber kümmerte. Aufgabe Hoßfelds war die einheitliche und straffe Gestaltung des Dienstes an der Grenze, der üblicherweise von den einzelnen Oberfinanzpräsidien organisiert wurde. Hierbei hatte er auch Weisungsbefugnis. Neben allgemeinen organisatorischen Anweisungen, gab er ab September die Zollgrenzschutz-Anweisungen heraus, in denen er neben organisatorischen Themen auch auf das Verhalten an der Grenze, Uniformfragen, Zollhunde etc. einging. Darüber hinaus ließ er sich regelmäßig Berichte zukommen, so z.B. wenn Zöllner von der Waffe gebrauch machten. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, war Hoßfeld häfig auf Reisen zu den Zollgrenzschutz-Dienststellen.

Hoßfeld suchte, ob nun auf eigenen Antrieb oder als Strategie des Ministeriums, die Nähe zur Wehrmacht. Denn einerseits war der Zollgrenzschutz durch den VGAD und die Grenzwacht eh schon in militärische Abwehrmaßnahmen an den Grenzen eingebunden, andererseits unterstand er in den ausländischen Einsatzgebieten taktisch meist der lokalen Wehrmachtsführung. In dieser Abhängigkeit suchte Hoßfeld einen Gegenpol zu Himmler zu finden, um die Zugehörigkeit zum Reichsfinanzministerium langfristig zu sichern. Zwar beschränkte sich der Zollgrenzschutz nominell auf die Grenzüberwachung und Himmlers SS-Grenzpolizei auf eine politische Überwachung, dennoch gab es stärkere Berührungspunkte. So wurden in späteren Jahren z.B. Züge beim Grenzübertritt gemeinsam kontrolliert und vom Zollgrenzschutz gefasste Personen der Grenzpolizei übergeben, vielfach standen beide Organisationen paralell an der Grenze.

Durch seine exponierte Position und die Hinwendung zur Wehrmacht stand Hoßfeld im Fokus Himmlers, der gut über Vorgänge gegen seine Interessen bescheid wusste, mit seinen Beschwerden beim Leiter der NSDAP-Parteikanzlei, Martin Bormann, jedoch nicht durchdringen konnte. Nach dem Attentat der Stauffenberg-Gruppe am 20.07.1944 erreichte Himmler am 24.07.1944 bei Hitler die sofortige Unterstellung des Zollgrenzschutzes unter das SS-Reichssicherheitshauptamt. Hoßfeld wurde am 24.07., seinem 65. Geburtstag, verhaftet und bis zum Januar 1945 festgehalten worden. Einen Tag vor seiner Freilassung nahmen sich seine Frau und sein zweiter Sohn das Leben. Hoßfeld erhielt eine Aufenthaltsbeschränkung für Berlin.

Bewertung aus heutiger Sicht

Es ist schwierig, Hoßfelds Rolle im Machtgefüge des NS-Apparats und bei den Verbrechen des Regimes zu bewerten. Dies liegt im Wesentlichen an fehlenden Unterlagen des Generalinspekteurs samt Stab und der Dienststellen. Hier ist noch unklar, ob die Aktenbestände so gründlich vernichtet oder ob sie bisher nur noch nicht entdeckt wurden. Auch Thomas Sandkühler, der sich kritisch mit der Rolle der unteren Dienststellen befasste, kann in seinem Aufsatz aus diesem Grund oft nur aus Indizien oder Forschungen Anderer Hinweise gewinnen.

Dass vielen Dienststellen des Zollgrenzschutzes Aktionen z.B. gegen Juden nicht verborgen blieben, geht eindeutig aus Nachkriegserinnerungen von leitenden Zollgrenzschützern hervor. Ferner lagen zahlreiche Dienststellen (u.a. Eisenbahnzollämter) in der Nähe von Konzentrations- und Arbeitslagern, zum anderen versuchten SS und Polizei den Zollgrenzschutz mehrmals zur Unterstützung zu bewegen. Dies scheint laut Sandkühler im Osten bei Absperrungen von Ghettos bzw. Exekutionsplätzen sowie dem Einfangen von Juden mehrfach der Fall gewesen zu sein. Es scheint jedoch auch eine Anweisung des GIZ vom Juni 1942 gegeben haben, an den nach Reinhard Heydrichs Ermordung geplanten Aktionen nicht teilzunehmen. Im September 1941 wies Hossfeld an, dass pro nicht näher bezeichnetem Bezirk sogenannte Einsatzkommandos in der Stärke von 20 bis 30 Mann aufzustellen waren, die bei überraschenden Unternehmungen eingesetzt werden sollten. Sandkühler sieht hier durchaus einen Zusammenhang mit Aktionen z.B. gegen Juden, was aber zumindest fraglich ist.

Im Juli 1942 wurde auf Hoßfelds Anweisung der Waffengebrauch gelockert. Laut Gesetz aus dem Jahr 1921 waren ursprünglich der Anruf von Flüchtenden bzw. Warnschüsse vorgeschrieben. Nun wurden im Osten Partisanen und polnische Schmuggler von dieser Vorschrift ausgenommen, die beim Ansichtigwerden der Zollgrenzschützer die Flucht ergreifen. Gleiches galt für erkannte Spione, Fallschirmspringer, Verbrecher und sonstige Untermenschen. Mit der Begründung, dass die einschlägigen Vorschriften nur auf Friedensverhältnisse zugeschnitten waren, machte es sich Hoßfeld einfach. Im September 1942 lockerte Hoßfeld den Waffengebrauch weiter, diesmal für flüchtige Kriegsgefangene. Dabei handelte es sich praktisch um einen Freibrief und auf sowjetische Flüchtlinge war sogar verpflichtend zu schießen.