Geschichte

Nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 wurde Frankreich zerteilt:

  • Elsass wurde dem Deutschen Reich angegliedert, der Zollgrenzschutz Elsass gehörte zum Oberfinanzpräsidium Baden
  • Lothringen wurde dem Deutschen Reich angegliedert, der Zollgrenzschutz Lothringen gehörte zum Oberfinanzpräsidium Köln
  • Nordfrankreich blieb von der Wehrmacht besetzt und kam unter Militärverwaltung, den Zollgrenzschutz leitete eine Kommandostelle in Paris
  • Südfrankreich blieb unbesetzt und wurde vom Vichy Regime geleitet. Der Zollgrenzschutz hatte in einigen Städten Überwachungsabteilungen unter Führung der Kommandostelle. Die Grenze zwischen dem Nord- und dem Südteil (Demarkationslinie) wurde vom Zollgrenzschutz bewacht. Im November 1942 besetzte die Wehrmacht ebenfalls Südfrankreich, worauf der Zollgrenzschutz von der Demarkationslinie an die Mittelmeerküste verlegte.
  • Italien besetzte einen Landstreifen in Südfrankreich hinter der italienisch-französischen Grenze. Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten Ende 1943 besetzte die Wehrmacht diesen Teil ebenfalls, der Zollgrenzschutz rückte nach.

Der Zollgrenzschutz in Frankreich war mit knapp 10.000 Mann die größte Auslandsverwaltung. Er führte die klassischen Zoll-Aufgaben durch und hatte vor allem an der Demarkationslinie Waren- und Menschenschmuggel zu verhindern.
Hierbei kam es auch zu einem Todesurteil, weil ein Zollbemter offensichtlich aus naiver Gefälligkeit einer Frau ohne Prüfung die Mitnahme weiterer Personen gestattete. Laut Urteil hatte es sich bis Paris herumgesprochen, dass der entsprechende Grenzübergang ohne Prüfung passiert werden kann.

Die oft unwegsamen Grenzen im Gebirge, am Meer und an Land wurden streng bewacht, auf der Flucht wurden zahlreiche Schmuggler erschossen. Ab etwa 1942 traten zunehmend Partisanen auf, die zunächst abgelegene Dienststellen und Streifen überfielen. Die Partisanen organisierten und bewaffneten sich immer besser, und wurden eine ernstzunehmende Gefahr für die deutschen Besatzungskräfte. Insbesondere im Umfeld und ab den Invasionen im Norden und Süden Frankreichs im Jahr 1944 traten die Partisanen ganz massiv auf. In zahlreichen Hinterhalten und bei Kämpfen bei Rückzügen hatte der Zollgrenzschutz viele Opfer zu beklagen, ferner wurden von Partisanen anscheinend bei mehreren Gelegenheiten zu Misshandlungen und Tötungen von Gefangenen.

Der Zollgrenzschutz war zu Beginn der Invasionen in die Verteidigungsstellungen eingebunden, zog sich dann aber wo es noch möglich war mit der Wehrmacht zurück. In den Pyrenäen und an der Grenze zur Schweiz traten Dienststellen über und ließen sich internieren. An der Atlantikküste gingen Dienststellen in die Festungen St. Nazaire und Lorient und halfen bei der Verteidigung. An der Grenze zu Italien traten Dienststellen ebenfalls über und wurden dem Zollgrenzschutz Oberitalien unterstellt. Sofern nicht in Gefangenschaft geraten oder über die Grenze gegangen, zogen sich die Zollgrenzschützer nach Mülhausen im Elsass zurück, wohin auch die Kommandostelle hingezogen war. Dort hatte sie eine Sammelstelle errichtet und leitete die Zöllner an ihre Heimatdienststelle weiter, bzw. bildete aus ihnen den Grundstock der Zollgrenzschutz-Bataillone Söllner und Stern. Von den knapp 10.000 Zöllnern erreichten etwa 1.300 Männer die Sammelstelle, etwa 2.300 Männer traten über die Grenzen, so dass insgesamt nur ungefähr 36% der Männer in Sicherheit waren.

Ab Sommer 1941 wurden in Frankreich ca. 100 Zollgrenzschutz-Helferinnen eingesetzt, bei denen es sich um ehemalige Rot-Kreuz-Schwestern handelte. Die Kommandostelle gab ab Juli 1942 Erkennungsmarken für die nachgeordneten Dienststellen aus. Die Angehörigen des Zollgrenzschutzes Frankreich erhielten ein Personalbuch, eine Art Soldbuch.

Übersicht der Dienststellen


Verbindungsbeamter / Kommandostelle

Belgische GrenzeKanal- und AtlantikküsteSüdfrankreich
  • Bruly (Belgien)
  • Lille (1)
  • Valenciennes
  • Antwerpen (Belgien)
  • Biarritz
  • Bordeaux *
  • Boulogne / Lille (2)
  • Brest
  • Caen / Trouville / Bernay / Lille (3)
  • Dinan
  • La Rochelle / Royan / Tonnay-Charente
  • Quibéron / Vannes-Arradon
  • Bagnols sur Cèze / Gap
  • Cannes
  • Lourdes
  • Lyon / Chambéry
  • Montpellier
  • Perpignan
  • St. Girons

 

Schweizer GrenzeDemarkationslinieUnbesetzte Zone
  • Annemasse (1) & (2)
  • Besancon *
  • Gex
  • Maiche / Morteau
  • Morez (?)
  • Dax
  • Dijon / Bourges
  • Le Creusot
  • Poitiers
  • Chambéry / Annemasse
  • Marseille
  • Toulouse / Ax-les-Thermes / Perpignan

* = Einschließlich Demarkationslinie bis November 1942

 

Statistik

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