Sie suchen (mehr) Informationen zu bestimmten Dienststellen oder Einheiten des Zollgrenzschutzes, bzw. zu vermissten, gefallenen oder überlebenden Personen des 2. Weltkrieges? Hier finden Sie die wichtigsten Anlaufstellen, Bücher und Archive. 

Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
2. Literatur
3. Suche nach Personen
4. Archive

Allgemeines

Den höchsten Personalstand erreichte der Zollgrenzschutz im April 1942 mit knapp 60.000 Personen. Schon zu Beginn des Krieges wurden Männer zum ZGS notdienstverpflichtet, mussten aufgrund von Mangelberufen entlassen oder an die Wehrmacht abgegeben werden, neue Kräfte kamen. Letztendlich nahm der Anteil der Stammbeamten kontinuierlich ab, beim Hilfspersonal herrschte ein Kommen und Gehen. Das Personal verteilte sich überwiegend auf das besetzte Ausland, neben Frankreich und Italien vor allem auf die Ostgebiete. Nach den alliierten Invasionen in der Normandie und an der französischen Mittelmeerküste, sowie dem Zusammenbrechen der Fronten im Osten wurden viele Dokumente auf dem Rückzug vernichtet, gingen verloren oder wurden den Gefangenen abgenommen. Im Reichsfinanzministerium ordnete Staatssekretär Fritz Reinhardt kurz vor Kriegsende die Vernichtung vieler Unterlagen an.

Literatur über den Zollgrenzschutz

Geschichte
bucheulitz Titel: Geschichte des Zollgrenzdienstes (Der Zollgrenzdienst)
Autor: Walter Eulitz
Verlag: Stollfuß Verlag, Bonn, 1968
Die wichtigste Quelle in Buchform ist der im Auftrag des Bundesfinanzministeriums geschriebene Titel, welcher auf knapp der Hälfte von 300 Seiten die Geschichte des Zollgrenzdienstes / Zollgrenzschutzes behandelt. Dabei wird ausführlich auf die Einsätze in den annektierten und besetzten Gebieten sowie die Organisation eingegangen, jedoch ohne Personen zu benennen. Die Unterlagen und Erfahrungsberichte, die Eulitz dazu von ehemaligen Zollgrenzschützern gesammelt hat, sind im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (Bestand R110 Anhang) einsehbar. Man kann dem Buch zwar nachsagen, dass es den ZGS zu glatt und zu unkritisch darstellt, aber es gibt keine vergleichbare Quelle. Das Buch, samt Karte der Einsatzgebiete, sollte im antiquarischen Buchhandel zu bekommen sein.

buchfox Titel: Der Wasserzolldienst an den deutschen Küsten, Flußmündungen, Flüssen und Binnengewässern
Autor: Werner Fox
Verlag: Selbstverlag, Hamburg, 2003
Fox behandelt in seinem Buch auf knapp 420 Seiten die Geschichte des Wasserzolls vom 19. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung (5. Auflage 2003). Davon betreffen etwa 50 Seiten die Blauen zwischen 1919 und 1945. Im Buch ist weniger über die Organisation und den Einsatz zu erfahren, dafür viel über die verwendeten Schiffe. Da das Buch im Selbstverlag und in geringer Auflage erschien, ist es eher schwierig zu bekommen, wird aber ab und an im antiquarischen Buchhandel angeboten.

buchsandkuehler Titel: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Band 16: Durchschnittstäter
Herausgeber: Christian Gerlach
Verlag: Schwarze Risse, Berlin, 2000, ISBN 3-922611-84-2
Das Buch beschäftigt sich in einem etwa 60-seitigem Kapitel (von rund 270 Seiten) mit der Verstrickung von SS-Grenzpolizei und Zollgrenzschutz im NS-Staat. Dort beleuchtet Autor Thomas Sandkühler die dunklen Seiten der beiden Organisationen, geht aber auch auf den Aufbau und Einsatz ein und bietet einen sehr ausführlichen Quellenanhang. Es sollte beim Verlag Schwarze Risse, bzw. im antiquarischen Buchhandel zu finden sein.

buchluxemburg1 Titel: Die deutsche Zollverwaltung in Luxemburg 1940 bis 1944 - Versuch einer Rekonstruktion
Autor: Detlev Zuckarelli
Herausgeber: Luxemburger Zoll-Gewerkschaft, Luxemburg, 2008, ISBN 978-2-9559-735-1-2
Ausführlich wird der Einsatz deutscher Zöllner in Luxemburg und Luxemburger Zöllner in der Reichsfinanzverwaltung dargestellt. Unterstützt durch zahlreiche Fotos, Grafiken, Karten, Listen und Schilderungen von Zeitzeugen bietet das mehr als 200 Seiten starke Buch eine beachtliche Fülle von Details, verliert aber auch den Gesamtzusammenhang nicht aus dem Blick. Bestellinformationen und Rezensionen finden Sie hier.

Autor: Willem Saris
Willem Saris hat seit Mitte der 90er Jahre für verschiedene Militaria-Magazine Artikel zum Zollgrenzschutz verfasst. Die in der Regel reich bebilderten und ausführlichen Aufsätze decken die folgenden Themen ab, über die auch heute oft wenig bekannt ist. Genaue Details und Verlage finden Sie hier.
Achselband und Feldbinde
Ärmelstreifen
Edelweiß-Abzeichen
Helferinnen
Zollflaggen an Kfz
Zollflieger

Dienststellen & Einheiten
Titel: Die Deutsche Feldpostübersicht (3 Bände)
Herausgeber: Norbert Kannapin
Verlag: Biblio-Verlag, Osnabrück, 1980-1982, ISBN 3-7648-1183-8
Die Übersicht listet die seit Kriegsbeginn vergebenen und geänderten Feldpostnummern der außerhalb des Deutschen Reichs eingesetzten Einheiten und Dienststellen von Wehrmacht, SS, Reichsarbeitsdienst, Zollgrenzschutz, etc. auf. Die 3 Bände sind ebenfalls in Uni-Bibliotheken und Staatsarchiven einsehbar und werden bei verschiedenen (Internet-)Anbietern verkauft. In der Zwischenzeit sind auch CDs von verschiedenen Produzenten erschienen, mit Suchfunktionen und oft zu einem Preis deutlich unter der Buchausgabe. Hier ist meiner Erfahrung nach die Zuverlässigkeit der Daten jedoch nicht immer gegeben.

Titel: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945
Herausgeber: Georg Tessin
Verlag: Biblio-Verlag, Osnabrück
Die Reihe enthält in einem sehr kleinen Abschnitt auch Informationen zu einigen der ab 1944 gebildeten Zollgrenzschutz-Bataillone. Die Bände sind in der Regel in Uni-Bibliotheken, in Staatsarchiven, etc. einsehbar. Inzwischen gibt es auch eine private Korrekturseite.

Suche nach Personen

Organisationen
Unabhängig von den genannten Organisationen und Hilfsmitteln, kann eine Recherche am Einsatzort lohnen. In den besetzten Gebieten wurde mancher Ort vom Gegner überrollt oder eingekreist, so dass im örtlichen Archiv Dokumente vorhanden sein könnten. Dabei lohnt es sich auch in den Einsatzorten nach- und übergeordneter Stellen nachzuforschen. Zollgrenzschützer wurden in der Regel von einem Oberfinanzpräsidium im Reichsgebiet eingestellt und von dort in das besetzte Ausland abgeordnet. Die disziplinarische Aufsicht verblieb meist auch beim ursprünglichen OFP, weshalb auch dort Akten vorhanden sein könnten. In den 1970er und 1980er Jahren übergab die Finanzverwaltung zahlreiche Unterlagen an die Landes- und Staatsarchive.
Nach Kriegende mussten auch Zöllner meist einen Entnazifizierungsprozess durchlaufen, die entsprechenden Dokumente sind oft erhalten geblieben und dürften sich in Landes- und Staatsarchiven befinden.
Eventuell ist die gesuchte Person auf einem örtlichen Kriegerdenkmal festgehalten. Die Gemeinde oder Kirche, die das Denkmal aufgestellt hat, könnte in diesem Fall über weitere Informationen verfügen.
Sollte Ihre Familie vor längerer Zeit bereits Anfragen an Stellen gerichtet haben, lohnt es sich eventuell um Kopien dieser früheren Anfragen zu bitten. Vielleicht erhalten Sie dadurch Anhaltspunkte, die in der Zwischenzeit verloren gegangen sind.

OrganisationInformationen
Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht Sie ist eine Behörde der Stadt Berlin und verwaltet die übriggebliebenen Unterlagen der zu Kriegsbeginn eingerichteten Wehrmachtsauskunftsstelle. Dazu gehören Personalakten, Informationen über Schicksale, Grabstätten, Erkennungsmarken, Einheiten und vieles mehr. Auch mit nur geringen vorhandenen Daten kann oft etwas gefunden werden.
Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst München Beschäftigt sich mit der Suche nach Verschollenen des 2. Weltkrieges
Internationaler Suchdienst Gibt Auskünfte über Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung
Kirchlicher Suchdienst / Heimatortskartei Auskünfte über Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten
Österreichisches Schwarzes Kreuz Das ÖSK betreut Gräber aus verschiedenen Kriegen im In- und Ausland.
Rentenversicherung Wurde nach dem Krieg Rente beantragt, mussten oft Unterlagen und Nachweise erbracht werden.
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Der Volksbund betreut Gräber aus verschiedenen Kriegen im In- und Ausland. Mit einem Formular können Sie die Online-Datenbanken mit über 4 Millionen Personen durchsuchen und eine Suchanzeige aufgeben. Noch sind nicht alle Bestände online abrufbar, deswegen kann eine schriftliche Anfrage lohnen.
Zentrale Erfassungs- und Auskunftsstelle für Angehörige der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung Das bei der Bundesfinanzdirektion Nord in Hamburg angesiedelte Archiv enthält Informationen über Zöllner und Dienststellen bis 1945. Die Bestände sind leider lückenhaft. UPDATE: Die Bestände wurden an das Bundesarchiv abgegeben.

Weitere Links finden Sie hier.

Dienstalterslisten
Ab 1926 gab die Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Zollbeamtenverbände Dienstalterslisten heraus, basierend auf Unterlagen des Reichsfinanzministeriums. Die Listen enthalten neben Name und Rang auch Eintritts- und Beförderungsdaten, sowie teilweise die Dienststelle. Möglicherweise erschienen in der Folgezeit weitere Listen.
Handbuch für deutsche Zollbeamte, Stand 01.10.1926
Jahrbuch der Reichszollverwaltung, Stand 01.01.1930
Dienstaltersliste umfassend die Beamten der Reichszollverwaltung (ab Besoldungsgruppe A4c), Stand März 1933

Der Reichsverband der akademischen Finanz- und Zollbeamten veröffentlichte ebenfalls Daten aus den Unterlagen des Ministeriums, 1927 erschien der dritte Jahrgang.
Taschenbuch 1927, Stand 01.03.1927

Reichsfinanzblatt
Im Amtsblatt der Reichsfinanzverwaltung (Reichsfinanzblatt) wurden die gängigen Vorschriften veröffentlicht. Dazu enthielt es in späteren Ausgaben Ernennungen, Versetzungen und Auszeichnungen. Mit Kriegsbeginn wurden in sogenannten Ehrenlisten die Namen von Gefallenen samt Angabe der Dienststelle genannt. Dabei umfassten die Listen nicht nur aktive Zollbeamte, sondern auch Zollgrenzschutz-Reservisten und in militärischen Formationen dienende ehemalie Angehörige der RFV. Das Amtsblatt gibt es in Uni-Bibliotheken, Staatsarchiven, Zoll-Museen und eventuell in den Bibliotheken der Bundesfinanzdirektionen.

Vermisstenbildliste
Nach dem Krieg gab der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes Vermisstenbildlisten heraus, in denen die als vermisst gemeldeten Soldaten, Zollgrenzschützer, etc. nach Einheiten und oft mit Bild und persönlichen Angaben aufgelistet sind:
Band II GH (Landzoll, Stand 1957)
Band 1. Nachtrag GA - GH (Landzoll, Zugänge 1958-59)
Band 2. Nachtrag FU-FZ, GA-GH, RA+SO, VA-VC (Landzoll, Zugänge 1960-65)
Möglicherweise gab es auch Bände für den Wasserzoll.

Archive mit Zollgrenzschutz-Dokumenten

Unterlagen der Zollverwaltung und des Zollgrenzschutzes sind, sofern noch vorhanden, über diverse Archive verstreut. Über die Bestäde in ausländischen Archiven ist mir leider nicht viel bekannt, hier wäre ich für Hinweise dankbar.

ArchivInformationen
Bundesarchiv Archiv Berlin-Lichterfelde: Zollgrenzschutz (Bestand R110 und R110/Anhang), Reichsfinanzministerium (Bestand R2)
Militärarchiv Freiburg im Breisgau
Siehe auch: Onlinesuche Archivgüter (ARGUS)
Baden-Württemberg (Landesarchiv) Vorschriften, Ermittlungen über Vergehen einzelner Personen, Zollschule Sigmaringen, Oberfinanzpräsidium Württemberg, Landesfinanzamt Stuttgart
Niedersächsisches Landesarchiv neu Verleihungslisten Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen, Kriegsverdienstkreuz an Zollgrenzschützer, Oberfinanzpräsident Hannover
Nordrhein-Westfalen (Öffentliche Archive) Suchbegriffe: Hauptzollamt*, Grenzauf*, Landesfinanzamt*
Österreichisches Staatsarchiv, Wien Personalakten, ZGS Südost, allgemeine Verwaltung
Rheinland-Pfalz & Saarland (Landesarchive) Personalunterlagen, Bezirkszollkommissariat Solgen (Lothringen), Oberfinanzpräsidium Westmark, Landesfinanzamt Würzburg
Staatliches Archiv Varese (Italien) Hier befinden sich Unterlagen des Bezirkszollkommissariats Varese zwischen 1943 und 1945.

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