Sie suchen (mehr) Informationen zu Angehörigen des Zollgrenzschutzes, Gefallenen des 2. Weltkrieges, bzw. Dienststellen oder Einheiten des Zollgrenzschutzes? Hier finden Sie die wichtigsten Anlaufstellen, Bücher und Archive.

Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
2. Suche nach Personen
3. Literatur

 

1. Allgemeines

Der Zollgrenzdienst, bzw. Zollgrenzschutz wurde in den 1930er Jahren deutlich verstärkt und setzte sich überwiegend aus Beamten zusammen. Darunter waren viele junge Kräfte, aber auch ehemalige Zeitsoldaten der Reichswehr/Wehrmacht, denen nach 12 Jahren eine Stelle in der öffentlichen Verwaltung zustand.
Zu Beginn des Kriegs wuchs der Personalbedarf stark an, so dass Hilfspersonal aus der nahen Grenzbevölkerung notdienstverpflichtet wurde. In den Folgejahren wurden die jungen Beamten und ehemaligen Soldaten fast komplett an die Wehrmacht abgegeben. Die entstandenen Lücken wurden mit weiteren Notdienstverpflichteten aufgefüllt, so dass der Zollgrenzschutz in der letzten Hälfte des Krieges kaum noch aus Beamten und gelernten Zöllnern bestand.

Leider haben viele Personaldokumente den Krieg nicht überlebt. Auf den eiligen Rückzügen aus den besetzten Gebieten wurde oft alles nicht unbedingt Notwendige vernichtet wozu auch Akten und Personalunterlagen gehörten. In den deutschen Archiven ist hier nur sehr wenig angekommen. Die inländischen Dienststellen wie Oberfinanzpräsidien und Hauptzollämter wurden bei Bombenangriffen oft in Mitleidenschaft gezogen, dazu scheint vor und nach Kriegsende viel vernichtet worden sein. Zwar haben inländische Dienststellen seit den 1960er Jahren vielfach Unterlagen an Archive der Bundesländer übergeben, wobei Personalunterlagen nur selten dazugehörten. Im Reichsfinanzministerium in Berlin ordnete Staatssekretär Fritz Reinhardt kurz vor Kriegsende die Vernichtung vieler Unterlagen an, darunter anscheinend das Zollgrenzschutz-Archiv.

2. Suche nach Personen

Die Suche nach Informationen zu Zöllnern gleicht leider oft der Suche nach der 'Nadel im Heuhaufen'. Einerseits weil die Archive nicht über viele Unterlagen verfügen und weil in den Familien der Zöllner wenige Dokumente die gut 70 Jahre seit Kriegsende überstanden haben. Andererseits weil das Hilfspersonal häufiger versetzt wurde und vor allem in den letzten Kriegsmonaten in wenig dokumentierten Zoll-Kampfeinheiten zusammengefasst, bzw. von der Wehrmacht vereinnahmt wurde. In dieser chaotischen Zeit war man eher ans Überleben statt an das Führen von Akten interessiert.
Dennoch ist eine Nachforschung nicht aussichtslos. Neben der grundsätzlichen Anfrage bei Organisationen und Archiven sollten Archive auch persönlich besucht werden. Denn Akten werden in Archiven eher mit Schlagworten indexiert, aber nicht mit den vielleicht hunderten erhaltenen Personennamen. Dazu sind Unterlagen möglicherweise über verschiedene Archive verstreut.

Wo sollte gesucht werden?
Forschen Sie zunächst in der eigenen Familie. Gibt es noch Unterlagen wie Dienstzeugnisse, Einberufung, Ahnenpass, Ausweis, Feldpostbriefe, Fotos, Nachkriegsunterlagen, etc.? Tragen Sie auch Erzählungen und vor allem das Wissen der älteren Generationen zusammen.
Angefangen beim Stadtarchiv des Wohnortes der gesuchten Person bis zum jeweiligen Landes-/Staatsarchiv. Im Archiv am Sitz des jeweiligen Hauptzollamtes bzw. Oberfinanzpräsidiums. Gesucht werden sollte z.B. nach Akten der Zollverwaltung, Verleihungslisten von Auszeichnungen (z.B. ZGS-Ehrenzeichen oder Kriegsverdienstkreuz), Akten von Notdienstverpflichtungen, etc.
Eventuell ist die gesuchte Person auf einem örtlichen Kriegerdenkmal festgehalten. Die Gemeinde oder Kirche, die das Denkmal aufgestellt hat, könnte in diesem Fall über weitere Informationen verfügen.
Sollte Ihre Familie vor längerer Zeit bereits Anfragen an Stellen gerichtet haben, lohnt es sich eventuell um Kopien dieser früheren Anfragen zu bitten. Vielleicht erhalten Sie dadurch Anhaltspunkte, die in der Zwischenzeit verloren gegangen sind.

  2.1 Anlaufstellen
Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht Verwaltet die übriggebliebenen Unterlagen der 1939 eingerichteten Wehrmachtsauskunftsstelle. Dazu gehören Personalakten, Informationen über Schicksale, Grabstätten, Erkennungsmarken, Einheiten und vieles mehr. Inzwischen verfügt sie auch über die Unterlagen des ehemaligen Krankenbuchlagers. Auch mit nur geringen vorhandenen Daten kann oft etwas gefunden werden.
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Betreut Gräber des 1. und 2. Weltkrieges im In- und Ausland. Mit einem Online-Formular kann die Datenbank mit inzwischen über 4,7 Millionen Personen durchsucht werden. Noch sind nicht alle Bestände online abrufbar, deswegen kann eine schriftliche Anfrage lohnen.
Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst München Beschäftigt sich mit der Suche nach Verschollenen des 2. Weltkrieges. Die Vermisstenbildlisten aus den 1950er und 1960er Jahren sind inzwischen auch online einsehbar.
Internationaler Suchdienst Gibt Auskünfte über Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung
Kirchlicher Suchdienst / Heimatortskartei Auskünfte über Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Der Dienst wurde Ende 2015 eingestellt und die Unterlagen Mitte 2016 an das Bundesarchiv in Bayreuth übergeben.
Zentrale Erfassungs- und Auskunftsstelle für Angehörige der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung Das vormals bei der ehemaligen Oberfinanzdirektion Hamburg angesiedelte Archiv enthält Informationen über Zöllner und Dienststellen bis 1945. Die Bestände wurden inzwischen an das Bundesarchiv abgegeben.
Österreichisches Schwarzes Kreuz Das ÖSK betreut Gräber aus verschiedenen Kriegen in Österreich, im Ausland kümmert es sich eher um Grabanlagen aus der k.u.k.-Zeit.
Krankenbuchlager Verfügte über militärische Krankenunterlagen aus beiden Weltkriegen. Nach der Schließung im Dezember 2013 gingen die Unterlagen an die WaSt über.
Zollmuseen In Deutschland gibt es inzwischen eine handvoll Zollmuseen, die über Hinweise und Anhaltspunkte verfügen könnten.
Berlin Document Center im Bundesarchiv Enthält die Mitgliederkartei der NSDAP (ca. 11 Mio. Karteien) und Parteikorrespondenz. Ferner Personenakten von SS-Rasse- und Siedlungshauptamtes, SS-Angehörigen, SA-Angehörigen, Umsiedlern (Einwandererzentralstelle Litzmannstadt) und Reichskulturkammer. Die Bestände befinden sich im Bundesarchiv.

 

  2.2 Dienstalterslisten

Ab 1926 gab die Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Zollbeamtenverbände Dienstalterslisten heraus, basierend auf Unterlagen des Reichsfinanzministeriums. Die Listen enthalten neben Name und Rang auch Eintritts- und Beförderungsdaten, sowie teilweise die Dienststelle. Möglicherweise erschienen in der Folgezeit weitere Listen.
Handbuch für deutsche Zollbeamte, Stand 01.10.1926
Jahrbuch der Reichszollverwaltung, Stand 01.01.1930
Dienstaltersliste umfassend die Beamten der Reichszollverwaltung (ab Besoldungsgruppe A4c), Stand März 1933

Der Reichsverband der akademischen Finanz- und Zollbeamten veröffentlichte ebenfalls Daten aus den Unterlagen des Ministeriums, 1927 erschien der dritte Jahrgang.
Taschenbuch 1927, Stand 01.03.1927

  2.3 Reichsfinanzblatt

Im Amtsblatt der Reichsfinanzverwaltung (Reichsfinanzblatt) wurden die gängigen Vorschriften veröffentlicht. Dazu enthielt es in späteren Ausgaben Ernennungen, Versetzungen und Auszeichnungen. Mit Kriegsbeginn wurden in sogenannten Ehrenlisten die Namen von Gefallenen samt Angabe der Dienststelle genannt. Dabei umfassten die Listen nicht nur aktive Zollbeamte, sondern auch Zollgrenzschutz-Reservisten und in militärischen Formationen dienende ehemalie Angehörige der RFV. Das Amtsblatt gibt es in Uni-Bibliotheken, Staatsarchiven, und eventuell in Zoll-Museen oder Bibliotheken der Bundesfinanzdirektionen.

3. Literatur
  3.1 Zollgeschichte

bucheulitzGeschichte des Zollgrenzdienstes (Der Zollgrenzdienst)
Autor: Walter Eulitz
Verlag: Stollfuß Verlag, Bonn, 1968
Die wichtigste Quelle in Buchform ist der im Auftrag des Bundesfinanzministeriums geschriebene Titel, welcher auf knapp der Hälfte von 300 Seiten die Geschichte des Zollgrenzdienstes / Zollgrenzschutzes behandelt. Eulitz gehörte dem Stab des Generalinspekteurs des Zollgrenzschutzes an. Im Buch wird ausführlich auf die Einsätze in den annektierten und besetzten Gebieten sowie die Organisation eingegangen, jedoch ohne Namen zu nennen. Die Unterlagen und Erfahrungsberichte, die Eulitz dazu von ehemaligen Zollgrenzschützern gesammelt hat, sind im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (Bestand R110 Anhang) einsehbar. Man kann dem Buch zwar nachsagen, dass es den ZGS zu glatt und zu unkritisch darstellt, aber es gibt keine vergleichbare Quelle.

buchsandkuehler Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Band 16: Durchschnittstäter
Herausgeber: Christian Gerlach
Verlag: Schwarze Risse, Berlin, 2000, ISBN 3-922611-84-2
Das Buch beschäftigt sich in einem etwa 60-seitigem Kapitel (von rund 270 Seiten) mit der Verstrickung von SS-Grenzpolizei und Zollgrenzschutz im NS-Staat. Dort beleuchtet Autor Thomas Sandkühler die dunklen Seiten der beiden Organisationen, geht aber auch auf den Aufbau und Einsatz ein und bietet einen sehr ausführlichen Quellenanhang.

buchluxemburg1Die deutsche Zollverwaltung in Luxemburg 1940 bis 1944 - Versuch einer Rekonstruktion
Autor: Detlev Zuckarelli
Herausgeber: Luxemburger Zoll-Gewerkschaft, Luxemburg, 2008, ISBN 978-2-9559-735-1-2
Ausführlich wird der Einsatz deutscher Zöllner in Luxemburg und Luxemburger Zöllner in der Reichsfinanzverwaltung dargestellt. Unterstützt durch zahlreiche Fotos, Grafiken, Karten, Listen und Schilderungen von Zeitzeugen bietet das mehr als 200 Seiten starke Buch eine beachtliche Fülle von Details, verliert aber auch den Gesamtzusammenhang nicht aus dem Blick.

buchfoxDer Wasserzolldienst an den deutschen Küsten, Flußmündungen, Flüssen und Binnengewässern
Autor: Werner Fox
Verlag: Selbstverlag, Hamburg, 2003
Fox behandelt in seinem Buch auf knapp 420 Seiten die Geschichte des Wasserzolls vom 19. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung (5. Auflage 2003). Davon betreffen etwa 50 Seiten die Blauen zwischen 1919 und 1945. Im Buch ist weniger über die Organisation und den Einsatz zu erfahren, dafür viel über die verwendeten Schiffe.

Die Zollstellen im Bezirk der Oberfinanzdirektion Münster (1818-2015)
Autor: Jörg Räker
Herausgeber: Hauptzollamt Dortmund, 2016
Man sieht dem Buch an, dass der Autor eine enorme Mühe in das Buch gesteckt haben muss. Auf über 800 Seiten listet Räker alle ehemaligen und aktuellen Zollstellen des Bezirks Münster auf, erzählt ausführlich deren Geschichte und konnte vielfach sogar Fotos und die Namen der Dienststellenleiter finden. Das Buch kann über das Hauptzollamt Dortmund bezogen werden zu einem Preis von nur 25 Euro (ohne Gewähr!).

Willem Saris
Willem Saris hat seit Mitte der 90er Jahre für verschiedene Militaria-Magazine Artikel zum Zollgrenzschutz verfasst. Die in der Regel reich bebilderten und ausführlichen Aufsätze decken die folgenden Themen ab, über die auch heute oft wenig bekannt ist. Genaue Details und Verlage finden Sie hier.
Achselband und Feldbinde
Ärmelstreifen
Edelweiß-Abzeichen
Helferinnen
Zollflaggen an Kfz
Zollflieger

Die Deutsche Feldpostübersicht (3 Bände)
Herausgeber: Norbert Kannapin
Verlag: Biblio-Verlag, Osnabrück, 1980-1982, ISBN 3-7648-1183-8
Die Übersicht listet die seit Kriegsbeginn vergebenen und geänderten Feldpostnummern der außerhalb des Deutschen Reichs eingesetzten Einheiten und Dienststellen von Wehrmacht, SS, Reichsarbeitsdienst, Zollgrenzschutz, etc. auf. Die 3 Bände sind ebenfalls in Uni-Bibliotheken und Staatsarchiven einsehbar und werden bei verschiedenen (Internet-)Anbietern verkauft. In der Zwischenzeit sind auch CDs von verschiedenen Produzenten erschienen, mit Suchfunktionen und oft zu einem Preis deutlich unter der Buchausgabe. Hier ist meiner Erfahrung nach die Zuverlässigkeit der Daten jedoch nicht immer gegeben.

Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945
Herausgeber: Georg Tessin
Verlag: Biblio-Verlag, Osnabrück
Die Reihe enthält in einem sehr kleinen Abschnitt auch Informationen zu einigen der ab 1944 gebildeten Zollgrenzschutz-Bataillone. Die Bände sind in der Regel in Uni-Bibliotheken, in Staatsarchiven, etc. einsehbar. Inzwischen gibt es auch eine private Korrekturseite.

  3.2 Allgemeine Finanzgeschichte

Geschichte der Finanzverfassung und -verwaltung in Westfalen seit 1815
Autor: Wolfgang Leesch u.a.
Verlag: Oberfinanzdirektion Münster, Münster, 1998, ISBN 3-00-002552-9

Fortschritt und Barbarei - Österreichs Finanzverwaltung im Dritten Reich
Autor: Wolfgang Fritz
Verlag: LIT Verlag, Wien, 2010, ISBN 978-3-643-50247-6

Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus
Autor: Martin Friedenberger u.a.
Verlag: Edition Temmen (Veröffentlichung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz), 2002, Bremen, ISBN 3-86108-377-9