Einleitung

Schon am ersten Kriegstag kamen Zollgrenzschützer ums Leben, wobei sich die Anzahl der Verunglückten und Gefallenen zunächst ungefähr die Waage hielt. In der Regel mit Abstand zur kämpfenden Truppe in eroberten Gebieten eingesetzt, war der Kontakt mit regulären feindlichen Truppen die Ausnahme. Mit dem Einsatz im Osten traf man auf ein gut organisiertes Partisanenwesen, das mehr und mehr Opfer mit sich brachte. Ging es den Partisanen zunächst um Nadelstiche sowie das Beschaffen von Waffen und Ausrüstung, wurden im Laufe der Zeit die schwach besetzten Grenzaufsichtsstellen und kleinen Streifen von Banden überfallen. Es zeigte sich früher oder später an fast allen Kriegsschauplätzen, dass die typische Organisation des Zollgrenzschutzes mit einer Zersplitterung in kleine und teils abgelegene Stützpunkte im Frieden gegen Schmuggler funktionierte, aber im Krieg ein Nachteil war. So konnten Grenzdienststellen, Streifen, Versorgungstransporte usw. von starken Gegnern nacheinander abgeschnitten und angegriffen werden. Die eigentlich klar geregelten Befehls-, Einsatz- und Kooperationswege mit der Wehrmacht stießen in der Praxis auf Schwierigkeiten sodass z.B. gegen die im Zuge der Invasionen plötzlich massiv auftretenden französischen Partisanen oft kein Mittel gefunden werden konnte. Hastige Rückzüge, abgelegene Stützpunkte sowie nicht aufeinander abgestimmtes Vorgehen von Zollgrenzschutz, Wehrmacht und anderen Organisationen führten zu einem Verzetteln der Kräfte und begünstigten hohe Opferzahlen.
Hinzu kam, dass das Personal des Zollgrenzschutzes in späteren Jahren überwiegend aus den Geburtsjahrgängen um 1900 stammte. Die meist 40-50 Jahre alten Hilfsgrenzschützer hatten zwar oft im Ersten Weltkrieg militärische Erfahrung gesammelt, jedoch war der damalige Stellungskrieg nicht mit dem mobilen, hochtechnisierten, kräftezehrenden und teils asymmetrisch geführten Bewegungskrieg der 40er Jahre vergleichbar.
Gegen Kriegsende kam es zur Aufstellung von Zollgrenzschutz-Bataillonen, die mit ihrer unzureichenden Ausrüstung den regulären Truppen der Alliierten nur wenig entgegensetzen konnten und dementsprechend hohe Verluste beklagten. Sofern man Berichten leitender Zollgrenzschützer glauben darf, wurden seitens der Partisanen teils keine Gefangenen gemacht, oder schwache Personen auf dem Weg in Gefangenenlager am Wegesrand erschossen.
Die höchste mir bekannte Anzahl Zollgrenzschützer, die beim gleichen Ereignis fiel, stammt von Ende März 1944, als beim eiligen Rückzug über die Karpaten Ende März 1944 ca. 70-80 Zöllner in einem Schneesturm umkamen. Sowie vom 25.02.1945 als beim alliierten Luftangriff auf Donaueschingen mit der Einsatzgruppe Oberrhein in der Garnison mindestens 74 Grenzer starben.

Mit Beginn des Krieges druckte das Reichsfinanzministerium im Reichsfinanzblatt (RFBl.) sogenannte Ehrentafeln ab. Sie enthielten die Namen von im Dienst der Zoll- und Steuerverwaltung, im Zollgrenzschutz, in der Wehrmacht und in anderen Organisationen ums Leben gekommen aktuellen und ehemaligen Angehörigen der Reichsfinanzverwaltung. Die Tafeln wuchsen von einer DIN-A4 Seite in vereinzelten RFBl.-Ausgaben des Jahres 1939 zu 5-seitigen wöchentlichen Ausgaben im Jahr 1944. Für die Jahre 1939-1944 sind insgesamt 10.000 Namen verzeichnet, davon etwa 800 Zollgrenzschützer. Bei der Veröffentlichung der Namen gab es ungefähr 3-6 Monate Verzug, sodass nur bis Mitte 1944 einigermaßen repräsentative Angaben verfügbar sind. Aber erst nach diesem Zeitpunkt wurde der Zollgrenzschutz z.B. durch die Invasionen in Frankreich, Verwicklung in Kampfhandlungen, überhastete Rückzüge, sowie die Aufstellung von Zollgrenzschutz-Bataillonen in verlustreiche Gefechte verwickelt. Darüber hinaus sind auch die vor 1944 veröffentlichten Daten durchaus lückenhaft. Über die Verluste des Hilfspersonals aus der Landesbevölkerung in den besetzten Ostgebieten liegen mir keine Informationen vor.

Diese Seite ist weniger als informative Aufzählung oder Liste gemeint, sondern mehr als Beleg für die Ausmaße des Krieges, der vor kaum jemandem Halt gemacht hat. Deswegen dient sie nicht nur als Aufzeichnung der Toten des Zollgrenzschutzes, sondern auch als Gedenken an alle Opfer des 2. Weltkrieges.

Statistik

Leider führt die Quellenlage auch hier zu abweichenden und widersprüchlichen Informationen. Die Akten des Reichsfinanzministeriums weisen Gefallene aus, die teils selbst in den Standesämtern der angeblichen Grabesorte nicht bekannt sind. Ferner wird Mitte 1943 in Schriftverkehr von 1.300 gefallenen Zollgrenzschützern gesprochen, bekannt sind mir aber für diesem Zeitraum nur gut 400 Personen.
Die online verfügbaren Daten des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge können zwar oft, aber auch nicht immer weiterhelfen. In früheren Jahren scheinen die ums Leben gekommen Zollgrenzer in die Heimat überführt worden zu sein oder wurden mit einem militärischen Dienstgrad bestattet und sind dann beim Volksbund meist nicht registriert. Zugriff auf seine zentralen Datenbanken gewährt der Volksbund außerhalb des Suchformulars auf seiner Webseite leider nicht und ist auch nicht bereit, spezielle Recherchen durchzuführen.
Insofern sind die Angaben, die sich neben Reichsfinanzblatt, Volksbund und Kriegsgräberstätten auf viele Archive, Sterbebilder und Recherchen stützen noch unvollständig.
Für die nachfolgende Statistik sind Kriegsgräberstätten in den westlichen Ländern weitestgehend ausgewertet, darunter Benelux-Staaten, Dänemark, Frankreich, Italien, Süd-Deutschland und Tschechien. Die Daten für Ost-Europa, darunter Balkan, Baltikum, Polen, Russland, Slowakei, Ukraine und Weißrussland dürften noch große Lücken aufweisen. Falls Sie weiterhelfen können, bitte ich um Nachricht an email

Dienstgrade Verluste nach Dienstgrad, Stand 20.11.2021
Etwa 70% aller Verluste betrafen das Hilfspersonal, was generell mit dem Verhältnis von Hilfsgrenzern zum Stammpersonal übereinstimmt

Grabstellen Grabstellen nach Land, Stand 20.11.2021
Der Großteil der bisher bekannten Grabstellen liegt in Frankreich. Deutschland folgt in einigem Abstand mit Schwerpunkt in Baden-Württemberg durch Verluste der Zollgrenzschutz-Bataillone kurz vor Kriegsende. Bei ungefähr 1/5 der Verluste ist die Grabstätte (noch) nicht bekannt.