copyright: www.zollgrenzschutz.deAb und an tauchen im Internet und bei Auktionen Fotos auf, die Frauen in der Uniform der Reichsfinanzverwaltung zeigen, mit den klassischen Dienstgradabzeichen wie Zollassistent, Zollsekretär usw. Meist nicht ganz günstig, stellt sich die Frage, ob derartige Fotos echt sind und ob damals tatsächlich Frauen in der Grenzbewachung tätig waren.

Frauen sind beim Zoll heutzutage ein ganz selbstverständliches Bild und erledigen in der Regel den gleichen Dienst wie ihre männlichen Kollegen. Doch erst in den 1980er Jahren setzte in West-Deutschland ein Umdenken ein und ermöglichte Frauen den Eintritt z.B. in die Polizei und den Zoll. Die DDR mag hierbei möglicherweise weiter gewesen sein, konkrete Informationen liegen mir jedoch nicht vor.

Im Reichsfinanzministerium und den angegliederten Behörden bestand für Frauen praktisch keine Möglichkeit, in den uniformierten (Zoll-)Dienst aufgenommen zu werden, oder gar eine Waffe zu tragen. Zwar gab es in der Reichsfinanzverwaltung Frauen, jedoch nur als Sekretärin, Schreibkraft, Telefonistin, Reinigungskraft usw. Das damalige Frauenbild war noch nicht einmal eine Erfindung der Nationalsozialisten, schon in der Weimarer Republik, im Kaiserreich und selbst weit nach dem Zweiten Weltkrieg war dies nicht anders. Die einzige Ausnahme beim Zoll an den Grenzen bildeten im besetzten Frankreich die Zollgrenzschutz-Helferinnen, die weibliche Grenzreisende körperlich untersuchten und dabei spätestens ab 1940 eine Zoll-Uniform ohne Dienstgrad trugen.
Auch andere NS-Organisationen setzten zunehmend uniformierte Frauen ein, z.B. als Wehrmachthelferin oder SS-Helferin. Im Gegensatz dazu sollten die ZGS-Helferinnen aber keine Männer ersetzen, auch wollte man mit ihnen nicht die Personalknappheit beseitigen, sie sollten letztendlich den weiblichen Grenzreisenden eine würdige und belästigungsfreie Untersuchung ermöglichen. Hinzu lassen sich an der Reichsgrenze auch die sogenannten Durchsuchungsfrauen zählen, welche aber meist Ehefrauen von Zöllnern waren und aushilfsweise sowie ohne Uniform tätig waren.

Abgesehen davon handelte es sich beim Grenzdienst damals noch um eine körperlich schwere Arbeit, die oft zu Fuß in schwierigem Gelänge und etwas abseits der Zivilisation erledigt wurde. Hinzu kam die schwere Ausrüstung mit Waffen und Munition und im Zweifel eine körperliche Auseinandersetzung mit Schmuggler-Banden. Auch die sanitären Möglichkeiten und Übernachtungsgelegenheiten in den Dienststellen waren in der Regel nicht auf die Beschäftigung von Frauen ausgelegt. Insofern spricht auch dies nicht für reale Fotos aus der Dienstzeit von weiblichen Zöllnern.
Schaut man sich derartige Fotos genauer an, fallen schnell Ungereimtheiten auf. Meist ist die Dienstmütze zu groß, die Ärmel an der Uniformjacke zu lang, die Auszeichnungen können nicht passen usw. Man kann also davon ausgehen, dass derartige Fotos Frauen von Zöllnern darstellen, die für Fotos posieren, aber keine realen weiblichen Zoll-Angehörigen darstellen. Als Kuriosum sind solche Fotos sicherlich interessant, haben aber nur einen geringen finanziellen Wert.