Wer sich mit Organisationen und Personen befasst, die in der Zeit des Nationalsozialismus tätig waren, muss natürlich auch beleuchten, inwiefern sie in die Verbrechen des Regimes verstrickt waren. Das ist im Falle des Zollgrenzschutzes nicht einfach, da sich hierzu kaum Unterlagen erhalten haben und auch nur wenig Literatur existiert. Ausführlicher beschäftigen sich nur zwei Werke mit dem Thema:

  • Walter Eulitz, Geschichte des Zollgrenzdienstes, Stollfuß Verlag, 1968
  • Thomas Sandkühler, Von der "Gegnerabwehr" zum Judenmord - Grenzpolizei und Zollgrenzschutz im NS-Staat in: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 16, Schwarze Risse, 2000

Eulitz, ehemals im Leitungsgremium des Zollgrenzschutzes, dem Stab des Generalinspekteurs, sah in seinem Buch keine Verfehlungen: S. 233: Von Beginn des Einsatzes in den besetzten Gebieten an haben die Leiter der örtlichen Zollgrenzdienststellen immer wieder ihren Männern ein korrektes, taktvolles und menschenfreundliches Verhalten gegenüber der einheimischen Bevölkerung zur Pflicht gemacht. Daran hat man sich auch allerorten gehalten.

Zwar deckt dieser Webauftritt nicht nur den Zollgrenzschutz während des Nationalsozialismus ab, sondern den Zeitraum 1919-50. Dennoch erreichte des Zollgrenzschutz seine größte Personalstärke und das größte Einsatzgebiet in den Jahren 1939-45. Will man nicht pauschalisieren, sondern eine seriöse Bewertung liefern, sind Nachforschungen und Dokumente nötig.

Im Zoll bzw. Zollgrenzschutz, der in den Nürnberger Prozessen nicht zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde[1], konnten viele Zöllner ihre Karrieren aus der NS-Zeit unbeschadet fortsetzen.

Die Frage nach der Beteiligung von Zollgrenzschützern an NS-Verbrechen lässt sich nur schwer beantworten, sofern man nicht pauschalisieren will. Dies liegt im Wesentlichen an fehlenden oder bisher nicht gefundenen Unterlagen. Thomas Sandkühler hat nachgewiesen, dass der Zollgrenzschutz an der Vertreibung von Juden über die Deutsch-Niederländische Grenze beteiligt war[2]. Darüber hinaus waren Zollgrenzschützer gegen Kriegsende als Wachpersonal in Gefängnissen[3] und zumindest im KZ Neuengamme[4] eingesetzt. Dass zumindest einige aus der Führungsriege des Zollgrenzschutzes von NS-Verbrechen wussten, belegen erhaltene Aussagen im Bundesarchiv, laut denen man sich dem Anfordern von Personal durch SS für Aktionen gegen z.B. Juden widersetzt hätte[5]. Auch soll es eine Anweisung des Generalinspekteurs Johann Hoßfeld gegeben haben, sich an derartigen Aktionen nicht zu beteiligen. Da zahlreiche Konzentrationslager im Osten in Grenznähe lagen ist fraglich, ob Zöllner von den Geschehnissen nicht etwas mitbekommen haben. Gerade im Osten scheint der Waffengebrauch an der Grenze mitunter locker gehandhabt worden zu sein. So wurde gegen vermutete Schmuggler nach Anruf scharf geschossen und dabei zahlreiche Menschen getötet[6]. Im Jahr 1942 lockerte Hoßfeld den Waffengebrauch gegen entflohene sowjetische Kriegsgefangene, auf die dann verpflichtend zu schießen war. Ob sich Zollgrenzschützer z.B.an Exekutionen beteiligten, ob sie sich gegenüber der Bevölkerung in den besetzten Gebieten unkorrekt verhielten ist bisher ungeklärt. Auch die Rolle im Widerstand und z.B. beim Hitlerattentat im Juli 1944 ist bisher nicht bekannt.

  • [1] Urteil Nürnberger Prozeß (Abschnitt Gestapo und SD)
  • [2] Von der „Gegnerabwehr” zum Judenmord. Grenzpolizei und Zollgrenzschutz im NS-Staat, in: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 16 (2000), S. 95-154
  • [3] Johannes Tuchel: ‚…und ihrer aller wartete der Strick‘. Das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 nach dem 20. Juli 1944. Lukas Verlag, Berlin 2014
  • [4] Magisterarbeit von Markus Kompisch: "Zöllner an der inneren Front: der Einsatz der Zollgrenzschutzangehörigen im Wachdienst in den Außenlagern des KZ Neuengamme"
  • [5] Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde Bestand R110 Anhang
  • [6] Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde Bestand R2-25270 ff.
Dienstgrade & AbzeichenUniform & AusrüstungIdentifikationFahrzeuge
  • Achselband
  • Ärmelstreifen
  • Bekleidung
  • Kopfbedeckung
  • Koppel / Feldbinde
  • Blankwaffen
  • Portepee
  • Schußwaffen *


Informationen zu Kopien und Fälschungen befinden sich hier.

Die Wesentlichen Bestandteile der Uniform für die Reichsfinanzverwaltung wurden in den Bekleidungsvorschriften geregelt:

  • Vorläufige Bekleidungsordnung für die Beamten der Zölle und Verbrauchssteuern vom 04.07.1922 (01.10.1922)
  • Bekleidungsordnung für die Beamten der Verwaltung der Zölle und Verbrauchsabgaben vom 28.07.1926 (01.09.1926)
  • Bekleidungsordnung für die Beamten der Verwaltung der Zölle und Verbrauchsabgaben vom 27.02.1930 (01.04.1930)
  • Bekleidungsordnung für die Beamten der Verwaltung der Zölle und Verbrauchsabgaben vom 28.11.1934 (01.12.1934)
  • Bekleidungsvorschrift für die Beamten der Reichsfinanzverwaltung vom 31.07.1937 (01.08.1937)

* = Siehe www.zollwaffen.de von Wolfgang Speh.