Inhaltsverzeichnis
1. Vorgeschichte
2. Stiftung
3. Form und Trageweise
4. Voraussetzungen
5. Verleihung
6. Polenfeldzug

Vorgeschichte
Am 30.01.1938, dem 5. Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurden für Polizei, Reichsarbeitsdienst, SS, Luftschutz, Feuerwehr und Grubenwehr Auszeichnungen für langjährige treue Dienste gestiftet. Hinzu kam das Treudienst-Ehrenzeichen, das mit gleichem Hintergrund an die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaft verliehen werden konnte.
Damit hatten die meisten Organisationen im Bereich der öffentlichen Sicherheit eine eigene Auszeichnung. Der Zollgrenzschutz hatte ebenfalls mit der öffentlichen Sicherheit zu tun, kam jedoch lediglich für die Verleihung des Treudienst-Ehrenzeichens in Frage, welches wiederum nichts ZGS-spezifisches war. Dies führte zu einer gewissen Verstimmung, worauf man zunächst prüfte, ob die Polizei-Dienstauszeichnung auch an den Zollgrenzschutz verliehen werden könnte, was schließlich verneint wurde.

Stiftung
Als Folge regte anscheinend Finanzstaatssekretär Fritz Reinhardt bei Hitler die Stiftung eines eigenen Ehrenzeichens an, der er am 17.02.1939 zustimmte. Als Begründung wurde der im Wesentlichen reibungslose und kräftezehrende Einsatz des Zollgrenzschutzes bei der Eingliederung des Sudetenlandes und Österreichs im Jahr 1938 genannt. Dennoch orientierte sich die Verleihung weniger an Kriterien wie Leistung oder Einsatz, sondern überwiegend an der im Zollgrenzschutz verbrachten Dienstzeit.

Form und Trageweise
ehrenzeichen_k Das Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen ist ein Tatzenkreuz, das aus Buntmetall, später vermutlich auch aus Kriegsmetall bestand. Auf der Vorderseite umfasst ein oben offener Akanthuskranz das Hoheitszeichen (Adler mit Hakenkreuz). Auf der Rückseite umfasst der oben offene Akanthuskranz die Inschrift Für treue Dienste im Zollgrenzschutz. Getragen wurde das Ehrenzeichen, wie damals generell bei Dienstzeitabzeichen üblich, an einem kornblumenblauen Band auf der linken Brustseite. Auf dem Band war das von einem oben offenen Akanthuskranz eingefasste Hoheitszeichen eingestickt. Es gab nur eine Verleihungsstufe. Maße in etwa: 47 mm Höhe mit Öse, Breite 42 mm, 22 g Gewicht.

Vorbild dürfte die am 30.01.1938 gestiftete Polizei-Dienstauszeichnung gewesen sein. Beide Ehrenzeichen ähneln sich bis auf den Akanthuskranz und das Hoheitszeichen stark, auch die Inschrift auf der Rückseite unterscheidet sich nur geringfügig.

Laut Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 darf das Ehrenzeichen ohne nationalsozialistischen Embleme getragen werden. Die Umsetzung erfolge durch Entferung des Hoheitszeichens.

Voraussetzungen
Kriterien für die Verleihung waren:
1. Personenkreis
Beamte der Zollaufsichtsstellen (G)
Bezirkszollkommissare (G) und Gehilfen
Unter bestimmten Voraussetzungen: Beamte der Grenzzollstellen, Ansageposten und Zollfahndungsdienst
Vorsteher der Hauptzollämter mit Grenze
urkunde_k Grenzreferenten bei Oberfinanzpräsidenten mit Grenze
Bewährte Bearbeiter von Zollgrenzschutzangelegenheiten
Männer mit besonderen Verdiensten um den ZGS
2. Dienstzeit
Beamte im höheren Dienst nach vierjähriger Grenzdienstzeit
Beamte im gehobenen Dienst nach vierjähriger Grenzdienstzeit
Beamte im mittleren Dienst (Versorgungsanwärter *) nach vierjähriger Grenzdienstzeit
Beamte im mittleren Dienst (Zivilanwärter *) nach achtjähriger Grenzdienstzeit

* = Versorgungsanwärter waren Soldaten, die nach ihrer aktiven Dienstzeit in die Reichsfinanzverwaltung übernommen wurden, während Zivilanwärter direkt aus dem Zivilleben kamen.

Nach dem Anschluss Österreichs und des Freistaates Danzig wurden die entsprechenden Grenzdienstzeiten angerechnet, das Ehrenzeichen konnte aber erst nach mindestens einjähriger Tätigkeit im Zollgrenzschutz der Reichsfinanzverwaltung verliehen werden.

Verleihung
Die Verleihung wurde durch eine Urkunde dokumentiert, die neben dem Namen auch die Amtsbezeichnung und den Wohnort enthielt. Urkunden lagen in den Dienststellen der Beamten vor und mussten vorausgefüllt dem Reichsfinanzministerium zugeleitet werden, das die Urkunden einmal pro Monat gesammelt an die Präsidialkanzlei zur Entscheidung gab. Von Hitler persönlich unterschriebene Urkunden sind mir nicht bekannt, in der Regel unterschrieb der Chef der Präsidialkanzler, Otto Meissner. Für die Versagung des Ehrenzeichens galten die Vorschriften des Treudienst-Ehrenzeichens sinngemäß. Darunter fiel nicht nur die Verurteilung zu schweren Strafen, sondern z.B. auch Verurteilung wegen politischer Vergehen und Ausstoß aus der NSDAP.

verleihung_k Die erste Verleihung des Zollgrenzschutz-Ehrenzeichens fand am 24.11.1939 statt. An diesem Tag wurde den vier Angehörigen des Bezirkszollkommissariats Konstanz, die an der Verhaftung des Hitler-Attentäters Georg Elser beteiligt waren, von Staatssekretär Reinhardt das Ehrenzeichen verliehen (Bild rechts).
Nichtbeamte konnten das Ehrenzeichen anscheinend nicht erhalten, denn stets wird in den Vorschriften ausdrücklich von Beamten gesprochen. Dies ist zumindest sonderbar, da bei der Besetzung des Sudetenlandes und Österreichs und vor allem während des Krieges der Zollgrenzschutz mehrheitlich aus nichtverbeamteten Hilfsgrenzangestellten bestand. Die einzige mir bekannte Ausnahme war die Verleihung an den bei der Elser-Verhaftung beteiligten Hilfsgrenzangestellten Waldemar Zipperer. Die genaue Zahl der Verleihungen ist nicht bekannt, dürfte aber einige Tausend betragen.

Polenfeldzug
urkunde2_k Nach Beendigung des Polenfeldzuges kam es Anfang 1940 anscheinend zu Verleihungen durch den Oberfinanzpräsidenten Troppau. Diese standen laut Urkunde im Bezug zum persönlichen Einsatz im Zollgrenzschutz bei den Kampfhandlungen gegen Polen. Damit waren die Ehrenzeichen nicht, wie sonst üblich, abhängig von der Dienstzeit verliehen worden.

Die Urkunden weichen stark vom Standard der Reichsfinanzverwaltung (siehe Rechts weiter oben) ab und wurden bisher in keiner mir bekannten Publikation erwähnt. Auch sehen die Vorschriften eine Ausfertigung durch die Präsidialkanzlei in Berlin vor, was hier nicht der Fall ist.

Da die Urkunde aus der Familie des Ausgezeichneten stammt, muss von einem Original ausgegangen werden. Sollten Sie mehr Informationen haben, bitte ich um Kontaktaufnahme an email. Siehe in der Galerie für eine größere Ansicht.

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