Wie alle Organisationen litt auch der Zollgrenzschutz spätestens mit dem Beginn des Russlandfeldzuges im Juni 1941 an Personalmangel und hatte große Schwierigkeiten genügend Kräfte für die Besetzung der immer länger werdenden Grenzen bereitzustellen. Probleme bereiteten vor allem die Abgaben an die Wehrmacht, die auch mit den als Ersatz vorgesehenen und meist zöllnerisch nicht vorgebildeten Hilfsgrenzangestelltennicht aufgefangen werden konnten.

Die Wehrmacht warb im Osten unter sowjetischen Kriegegefangenen Freiwillige an, die nach Nationalitäten gegliedert in den sogenannten Ostlegionen (z.B. Turkestanische Legion, Georgische Legion, etc.) dienten.
Offensichtlich war die Personalsituation beim ZGS zu Beginn des Jahres 1943 durch Abgaben an die Wehrmacht so prekär, dass man ebenfalls auf Legionäre zurückgreifen musste. Anfang April 1943 vereinbarten das Reichsfinanzministerium und der Generalquartiermeister aus dem Generalstab des Heeres die Überstellung von 500 Turk-Legionären (300 Mann für die Ostgrenze des Generalgouvernements und 200 Mann für die Genze zwischen der Ukraine und Transnistrien) bis zum 30.04.1943.

Das Kommando der Ostlegionen (Wehrmacht) war weiterhin Gerichtsherr und stellte die geistige Betreuung sicher, als Ersatztruppenteil fungierten die abgebenden Legionen. Die einschlägigen Vorschriften der Wehrmacht galten anscheinend auch im ZGS fort. Die Kommandostelle des Zollgrenzschutzes im Generalgouvernement hatte einen Sachbearbeiter für die Turk-Legionäre zu ernennen, der beim Kommando der Ostlegionen zu schulen war. Die Legionäre wurden feldmarschmäßig ausgerüstet und mit Waffen an den Zollgrenzschutz übergeben.

Mitte 1943 befanden sich die Achsenmächte schon deutlich in der Defensive. Im Februar 1943 fiel Stalingrad, im Mai kapitulierten die Truppen in Afrika, im Juli landeten die Alliierten auf Sizilien und die Schlacht bei Kursk konnte im Juli das Blatt im Osten auch nicht mehr wenden. Den Legionären dürfte spätestens jetzt klar geworden sein, dass ihre Zukunft im Zollgrenzschutz mehr als unsicher war und so kam es in der Folge vermehrt zu Desertationen. Die Wehrmacht verlegte die Ostlegionen im Oktober 1943 nach Frankreich, zu diesem Zeitpunkt werden unter Führung des ZGS nur noch die im Generalgouvernement eingesetzten Legionäre erwähnt. Die ZGS-Kommandostelle der Ukraine dürfte ihre Legionäre zu diesem Zeitpunkt wegen Unzuverlässigkeit bereits wieder an die Wehrmacht zurückgegeben haben.

Auch wenn die nominelle Stärke immerhin 500 Mann betrug, hat sich der nur knapp 6 Monate dauernde Einsatz wohl kaum gelohnt. Deutsches Rahmenpersonal und Dolmetscher mussten vorgehalten werden sowie möglicherweise Bewacher. Dies und eventuell für Legionäre und Rahmenpersonal nötige Schulungen banden Resourcen. Nach den militärischen Misserfolgen der Achsenmächte im Jahr 1943 wurden Desertationen zu einem Problem, so dass die verbleibenden Legionäre schon um den Oktober herum an die Wehrmacht zurückgegeben wurden.

copyright: www.zollgrenzschutz.de
Legionäre mit bunt zusammengesuchter Uniform. Lediglich der Ärmelstreifen identifiziert sie als Angehörige des Zollgrenzschutzes.

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