Wie alle Organisationen litt auch der Zollgrenzschutz spätestens mit dem Beginn des Russlandfeldzuges im Juni 1941 an Personalmangel und hatte große Schwierigkeiten, genügend Kräfte für die Besetzung der immer länger werdenden Grenzen bereitzustellen. Probleme bereiteten vor allem die Abgaben von erfahrenem Personal an die Wehrmacht, was auch mit den als Ersatz vorgesehenen Hilfsgrenzangestellten numerisch nicht aufgefangen werden konnten.

img706 kAuch die Wehrmacht litt unter Personalmangel und warb im Osten unter sowjetischen Kriegsgefangenen Freiwillige an, die nach Nationalitäten gegliedert in den sogenannten Ostlegionen (z.B. Turkestanische Legion, Georgische Legion etc.) dienten. Um die ständigen Personalabgaben an die Wehrmacht zu kompensieren, vereinbarten Anfang April 1943 das Reichsfinanzministerium und der Generalquartiermeister (Generalstab des Heeres) die Überstellung von 500 Turk-Legionären im Gegenzug für die Freigabe von 500 Zöllnern der Jahrgänge 1906 und 1907. Von den Legionären waren 300 Mann für die Ostgrenze des Generalgouvernements und 200 Mann für die Genze zwischen der Ukraine und Transnistrien) vorgesehen.

Das Wehrmachtskommando der Ostlegionen war weiterhin Gerichtsherr und stellte die geistige Betreuung sicher, als Ersatztruppenteil fungierten die abgebenden Legionen. Die einschlägigen Vorschriften der Wehrmacht galten anscheinend auch im ZGS fort. Die Kommandostelle des Zollgrenzschutzes im Generalgouvernement hatte einen Sachbearbeiter für die Turk-Legionäre zu ernennen, der beim Kommando der Ostlegionen zu schulen war. Die Legionäre wurden feldmarschmäßig ausgerüstet und mit Waffen an den Zollgrenzschutz übergeben.

Mitte 1943 befanden sich die Achsenmächte schon deutlich in der Defensive. Im Februar 1943 fiel Stalingrad, im Mai kapitulierten die Truppen in Afrika, im Juli landeten die Alliierten auf Sizilien und die Schlacht bei Kursk konnte im Juli das Blatt im Osten auch nicht mehr wenden. Den Legionären dürfte spätestens jetzt klar geworden sein, dass ihre Zukunft in deutschen Diensten mehr als unsicher war und so kam es vermehrt zur Fahnenflucht. Als Folge verlegte die Wehrmacht ihre Ostlegionen im Oktober 1943 nach Frankreich. Nach dem sich die Desertionen auch im Zollgrenzschutz häuften, gab die Kommandostelle des Generalgouvernements alle Legionäre wegen Unzuverlässigkeit im Januar 1944 an die Wehrmacht zurück, die Hauptbefehlsstelle Ukraine dürfte ähnlich verfahren sein.