Einführung
Dass der Zollgrenzschutz eigene Flugzeuge und Flugpersonal einsetzte, gehört zu den weniger bekannten Teilen seiner Geschichte. Ausgangspunkt für die im vergleichsweise kleinem Rahmen stattgefundene Zollfliegerei soll die Erkankung eines Zollbeamten Ende 1940 in Südostpolen gewesen sein, der nur sehr schwer mit PKW erreichbar war. Als Lösung dieses Problems bot sich die Beschaffung von Flugzeugen an, die auch für Grenzüberwachung, Kurierflüge etc, einsetzbar waren.

Bei Willem Saris möchte ich mich herzlich für die Erlaubnis bedanken, seine in verschiedenen Militaria-Magazinen veröffentlichten Artikel zum Thema samt Fotos für diesen Beitrag zu verwenden.
Informationen zu den im Handel verkauften Kopien finden Sie hier.

Flugzeuge
flieger01 Die Zollfliegerei begann schon am 10.02.1941 mit der Übernahme von zwei Fieseler Fi 156 (Spitzname Storch), Ende 1941 soll eine dritte Maschine übernommen worden sein, was jedoch nicht gesichert ist. Stationiert waren die in Sanitätsbemalung ausgelieferten und später umgestrichenen Maschinen in Krosno im Südosten des Generalgouvernements und in Biala-Podlaska (Nordosten). Mangels eigenem Flugpersonal des Zollgrenzschutzes sprangen zunächst Lehrer und Testpiloten der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) ein, bis aus dem eigenen Personalstamm Piloten herangebildet waren.
Über die genaue Anzahl der Flugzeuge gibt es keine exakten Angaben, gesichert sind lediglich die beiden ersten Maschinen vom Februar 1941 mit der zivilen Kennung D-EAPG und D-ECAD. Nach Übernahme und Bemalung in Luftwaffenfarbe erfolgte die Änderung in die Stammkennzeichen SI+GF und SI+GE, wobei die zusätzlichen Aufschriften Zoll 1 und Zoll 2 angebracht wurden, um eine klare Trennung von der Luftwaffe zu erreichen. Ein Flugzeug stürzte mit dem überlebenden Piloten Wandesleben im Jahr 1941 ab, ein weiteres wurde 1944 im Einsatzbereich des Zollgrenzschutzes Schwarzes Meer abgeschossen. Vermutlich erhielt der Zollgrenzschutz zumindest im ersten Fall eine Ersatzmaschine.

Besatzungen
Auch über die genaue Zahl der Besatzungen sind keine endgültigen Informationen vorhanden. Sicher scheint nur, dass die DVL-Piloten im Sommer 1941 abberufen wurden und dann Zollpersonal die Flugzeuge übernahm. Die Bordwarte hatten neben der Zuständigkeit für die Technik auch für Landeplätze zu sorgen und verfügten dazu über Motorräder mit Beiwagen.

NameOrgani-
sation
FunktionLuftfahrer-
schein-Nr.
LuftamtEinsatzBemerkung
Franz Amann Zoll ? ? ? 1941 Nur kurz in Besatzungslisten erwähnt
Karl Debelius Zoll Flugzeugführer 698 Münster Ab Oktober 1941 -
Liedtke Zoll ? ? ? 1941 Nur kurz in Besatzungslisten erwähnt
Franz Porhansl Zoll Flugzeugführer 693 Münster Ab Juli 1941 -
Rex Zoll Bordwart - - Ab Sommer 1941 -
Franz Scheiber DVL Flugzeugführer ? ? Februar - Sommer 1941 -
Kurt Seiffert DVL Flugzeugführer ? ? Februar - Sommer 1941 -
Albert Uhle Zoll Bordwart - - Ab Februar 1941 -
Wandesleben Zoll Flugzeugführer ? ? Ab Sommer 1941 -
Fritz Wittmann Zoll Bordwart, Flugzeugführer ? ? Ab Februar 1941 Wurde erst später Flugzeugführer

Bekeidung & Ausrüstung
flieger02 Während die DVL-Piloten in der Regel Zivilkleidung trugen, verwendeten die Zollpiloten Fliegerkombinationen (für Sommer und Winter) und die Bordwarte Monteuranzüge. Darunter trugen die Zöllner die normale Dienstkleidung.
Anscheinend dachte das Ministerium über die Anschaffung von Fallschirmen nach. Jedoch war der Absprung aus dem engen Flugzeug nicht möglich und das Flugzeug nach Angabe der Fieseler-Weke auch ohne Fallschirm zugelassen.
Eine ebenfalls angedachte Schutzkleidung für die auf dem Notsitz mitfliegenden Passagiere bestand am Ende aus Pelzmantel, Winterhaube und einem Pelzfußsack.

Ärmelstreifen
Der Zollgrenzschutz trug durchweg den Ärmelstreifen der Reichsfinanzverwaltung als Erkennungsmerkmal und Hoheitszeichen. Im Falle der Flugzeugführer und Bordwarte diskutierte man zu Beginn der Zollfliegerei im März 1941 die Einführung eines eigenen Ärmelbandes mit der Aufschrift Zollflieger, das anstelle des allgemeines Bandes zu tragen wäre. Letztendlich entschied man sich dagegen und fertigte das Zollflieger-Abzeichen.

Zollflieger-Abzeichen
flieger03flieger04Nachdem die Idee mit dem Ärmelstreifen verworfen wurde, ging man im April 1941 an die Schaffung eines Abzeichens, das am linken Oberarm zu tragen war. Hierzu fertigte der Befehlsstellenleiter von Krosno drei Entwürfe an, die jedoch sämtlich vom Ministerium abgelehnt wurde. Als nächstes schlug der Oberfinanzpräsident von Niederschlesien die Schaffung verschiedener Abzeichen für die einzelnen Flugzeuge vor, auch sollten nur die Flieger und nicht die Bordwarte das Abzeichen tragen.
Das Ministerium entschied, dass auch die Techniker bedacht werden sollen und gab über das Reichsfinanzzeugamt den Firmen Richter & Rohrlapper in Brandenburg und Jänicke-Richter in Berlin den Auftrag für Entwürfe. Die eingesandten Skizzen aus Brandenburg wurden für nicht auftragsgemäß und mangelhaft befunden, so dass der Mitbewerber zum Zuge kam. Der vom Ministerium bevorzugte Vorschlag erhielt vom Chef der Präsidialkanzlei und vom Oberkommando der Wehrmacht die Zustimmung. Allerdings sollte die Produktion wegen der knappen Rohstofflage auf die Zeit nach Kriegsende verschoben werden.
Anscheinend fand das Ministerium die notwendigen Rohstoffe, denn im September kam es zur Herstellung von 30 Abzeichen. Reichsfinanzminister von Krosigk ordnete im November 1942 das Tragen des Abzeichens an. Pro Person wurden 3 Abzeichen ausgegeben, womit es zu den seltensten Abzeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus gehören dürfte.
Es ist kein Bild bekannt, auf dem das Abzeichen getragen wird. Zur Ausgabe muss es aber gekommen sein, befindet sich doch das einzige bekannte Original von Flugzeugführer Karl Debelius im Deutschen Zollmuseum in Hamburg.


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