Inhaltsverzeichnis
1. 1940
2. 1941 & 1942
3. 1943

1940
Im März 1940, zwischen Polen- und Westfeldzug, trat das Reichsarbeitsministerium an das Reichsfinanzministerium wegen der Entlassung von Hilfsgrenzangestellten mit Mangelberufen aus dem Zollgrenzschutz heran. Dies betraf (in dieser Reihenfolge) Angehörige der:
Land- und Forstwirtschaft
Eisen- sowie Metallwirtschaft und Bergbau
Chemische Industrie
 sonstige Kräfte.

Ersatz sollte von den Wehrkreisen aus den noch zu musternden Jahrgängen 1904-1905, sowie für kurzfristige Lücken aus den bereits gemusterten Jahrgängen 1906-1907 gestellt werden. Rechtsgrundlage war die Notdienstverordnung vom 15.10.1938.
Der Ersatz war zunächst in Gruppen von mindestens 60 Mann in besonders aufzustellenden Zollzügen bei 15 Landesschützen-Ersatz-Bataillonen militärisch nebenbei in Zollgrundlagen für 6 Wochen auszubilden. Die Ausbilder (je ein Feldwebel und zwei Unteroffiziere) waren vom Zollgrenzschutz zu stellen, der aus seinem Reservoir an ehemaligen Berufssoldaten (Militäranwärter) schöpfen konnte. Das Ersatzpersonal war von der Reichsfinanzverwaltung mit einer feldbrauchbaren Uniform ohne Ärmelband auszustatten, während der Ausbildung wurde das Hoheitsabzeichen des Heeres getragen.

Ldsch.-Ers.-Btl.Oberfinanzpräsidenten
Nr.StandortStandort Btl.Stellung AusbilderErhalt Reservisten
1 Tilsit Ostpreußen Ostpreußen Ostpreußen
2 Stettin Pommern Pommern Pommern
3 Strausberg Brandenburg Wartheland Wartheland
4 Frankenberg Dresden Schlesien Schlesien
5 Eßlingen Württemberg Württemberg Württemberg, Baden
6 Hamm Westfalen Westfalen Weser-Eems
7 Rosenheim München Innsbruck Innsbruck
8 Leobschütz Troppau Troppau Troppau
9 Kassel Kassel Danzig Danzig, Oberdonau
10 Lüneburg Hannover Hamburg Hamburg
11 Bergen-Belsen Hannover Nordmark Nordmark
12 Wiesbaden Kassel Graz Graz
13 Sulzbach Nürnberg Karlsbad Karlsbad
17 Laxenburg Niederdonau Niederdonau Niederdonau
18 Völkermarkt Graz Graz Graz

1941 & 1942
Ging es im Jahr 1940 nur um Higa, waren in der nächsten Verfügung auch Beamte betroffen. Eine Anweisung des Oberkommandos der Wehrmacht bestimmte im April 1941, dass alle Angehörigen der Jahrgänge 1910 und jünger zur Wehrmacht einzuberufen waren. Dabei ging es um etwa 10.000 Personen, Ersatz sollten die Jahrgänge 1900-1907 stellen. Dies stand möglicherweise im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Überfall auf die Sowjetunion am 22.06.1941. Die 4. und 5. Zollzüge wurden reaktiviert und hatten Personal zum Austausch der genannten Jahrgänge zu stellen, wobei die Landesschützen-Ersatzbataillone 4 (Glauchau) und 8 (Leobschütz) den laufenden Abgang zu decken hatten.
Dabei schien man zunächst an eine einmalige Aktion gedacht zu haben, wurden die Zollzüge doch schnell wieder aufgelöst und etwa gleichzeitig baute der Zollgrenzschutz eigene Ausbildungslager auf.

copyright: www.zollgrenzschutz.deAngehörige des Zollzuges des Landesschützen-Ersatzbataillons 10 in Lüneburg. Das Personal trug Wehrmachtsuniformen, dabei waren die Ausbilder für die Zeit der Ausbildung vom Zollgrenzschutz an die Wehrmacht überstellt. Vorteil davon war, dass es sich zum einen um lang gediente Berufssoldaten, zum anderen um Kenner der Finanzverwaltung handelte, die beide Bereiche abdecken konnten.

Anfang 1942, der Deutsch-Sowjetische Krieg war bereits ein halbes Jahr alt, ordnete das OKW erneut die Freimachung der Jahrgänge 1910 und jünger an. Anscheinend hatte es zuvor mit dem Ersatz größere Schwierigkeiten gegeben, weil ausgesprochene Notdienstverpflichtungen nicht wirksam wurden. Von dem Austausch waren noch etwa 7.500 Mann betroffen, eine Schwächung der Grenzbewachung nahm man ausdrücklich in Kauf. Jedes Landesschützen-Ersatzbataillon war mit mindestens 120 Mann zu bestücken.

Ldsch.-Ers.-Btl.Oberfinanzpräsidenten
Nr.StandortStandort Btl.Stellung AusbilderErhalt Reservisten
1 Preußisch Holland Ostpreußen Ostpreußen Ostpreußen
2 Stettin Pommernv Pommern ZGS Generalgouvernement
3 Strausberg Brandenburg Brandenburg Ostpreußen
4 Glauchau ? Dresden Niederschlesien
5 Baden-Oos ? Baden Baden
6 Lüdenscheid ? Westfalen Köln
7 Berchtesgaden ? München Niederschlesien
8 Leobschütz Troppau Troppau Troppau
9 Mülhausen (Thüringen) ? Magdeburg ZGS Generalgouvernement
10 Lüneburg Hannover Hannover ZGS Frankreich
11 Hildesheim Hannover Hannover ZGS Frankreich
12 Mainz ? Hessen Westmark
13 Prachatitz ? Karlsbad Troppau
17 Horn Niederdonau Niederdonau Niederdonau
18 Lienz ? Graz Graz
50 Tabor ? Prag Prag

1943
Die Ersatzlage wurde immer prekärer, weshalb die Wehrmacht im Mai 1943 erneut auf den Zollgrenzschutz zurückgriff. Diesmal waren die 6.000 Angehörigen der Jahrgänge 1906-1907 abzugeben, als Ersatz standen die weltkriegsgedienten Jahrgänge 1894-96 zur Verfügung. Zollzüge bestanden noch bei:
Landesschützen-Ersatzbataillon 1 in Braunsberg
Landesschützen-Ersatzbataillon 4 in Glauchau
Landesschützen-Ersatzbataillon 5 in Baden-Oos
Landesschützen-Ersatzbataillon 6 in Lüdenscheid
Landesschützen-Ersatzbataillon 8 in Leobschütz
Landesschützen-Ersatzbataillon 10 in Lüneburg

Die Ausbildung war auf zwei Wochen verkürzt worden, ab Anfang 1944 fand die Ausbildung von Reservisten anscheinend nur noch in den ZGS-Ausbildungslagern statt.
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