Aufbau

Ende der 1920er Jahre ging man davon aus, dass eine neuerliche militärische Auseinandersetzung nicht erst mit einer förmlichen Kriegserklärung beginnen würde. Man erwartete vielmehr, dass der Gegner im Vorfeld Spione und Saboteure über die Grenze schleusen und die Situation mit der Zeit mehr und mehr eskalieren würde. Den Einsatz militärischer Formationen zur Abriegelung der Grenze hätte in dieser Situation einen beginnenden Konflikt verschärften können und war auch wegen des durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann begrenzten Reichsheeres schwierig. Es bot sich jedoch an, den bereits an der Grenze stehenden und schon mit ähnlichen Aufgaben betrauten Zollgrenzdienst in die militärische Grenzsicherung einzubeziehen. So konnte auch von im jeweiligen Gelände erfahrenen Personen Informationen über Vorgänge jenseits der Grenze gesammelt werden.

Für diese Aufgabe war die personelle Ausstattung jedoch zu schwach, weswegen man ab 1933 die folgenden Szenarien entwickelte:

Normalfall
Zollgrenzdienst (später: Zollgrenzschutz) bewacht die Grenze
Krisenfall
Der Verstärkte Grenzaufsichtsdienst (VGAD) wird einberufen, wobei der Zollgrenzdienst / Zollgrenzschutz um militärisch ausgebildete Wehrpflichtige der Grenzbevölkerung ergänzt wird.
Ernstfall
Die Grenzwacht wird einberufen, wobei der bereits einberufene VGAD um Soldaten und Führer der Wehrmacht ergänzt wird. Die Grenzwacht war Bestandteil der Wehrmacht

Die bisherigen Vorschriften wurden im September 1937 in den Bestimmungen für die Vorbereitung eines Verstärkten Grenzaufsichtsdienstes an den Grenzen des Reichs (Best.-VGAD) zusammengefasst, für das an der Küste eingesetzte Personal wurde kurz darauf die Best.-VGAD-Küste erlassen. Spätere Grundlage für den Einsatz war die Notdienstverordnung vom 15.10.1938 und deren Ergänzungen. Es fanden regelmäßige Übungen statt, der VGAD war innerhalb weniger Stunden einsatzbereit.

Uniform & Dienstgrade

Die Männer aus der Grenzbevölkerung, Hilfsgrenzangestellte (Higa) genannt, trugen zunächst Wehrmachtsuniformen ohne Rang- und Hoheitsabzeichen, dazu die Zoll-Dienstmütze und auf einer Armbinde das Wappenschild (siehe Bild rechts).wappenschild05 Mit der Zeit wurde diese Bekleidung als ungerecht empfunden, da die HiGa an der Grenze letztendlich den gleichen Dienst wie die Stammbeamten verrichteten. So durften sie ab Juli 1940 die gleiche Uniform wie die Stammbeamten tragen, sowie die Kragenspiegel und Schulterstücke der Zollbetriebsassistenten (ergänzt um eine zollgrüne Spange).
Bis Oktober 1940 gab es keine Möglichkeit der Beförderung, diese weitere Benachteiligung sollte im Rahmen der Schaffung einer Zollgrenzschutz-Reserve (ZGR) beseitigt werden. In ihr waren alle Higa zusammengefasst, wobei es sich eher um einen Oberbegriff, als eine organisatorische Einheit handelte. Fortan gab es drei Dienstgrade:

Hilfszollbetriebsassistent
alle bisherigen Hilfsgrenzangestellten

Hilfszollassistent
wenn der militärische Dienstgrad mindestens Unteroffizier war, oder
wenn aufgrund der dienstlichen Leistungen und der Persönlichkeit die Eignung zum Führen einer Streife vorhanden war
nach mindestens einjähriger Dienstzeit im Zollgrenzschutz

Hilfszollsekretär
wenn aufgrund der Persönlichkeit die Eignung zum Postenführer (Leiter einer Grenzaufsichtsstelle) vorhanden war
und wenn der militärische Dienstgrad mindestens Unteroffizier war

Die Beförderung zum Hilfszollsekretär sollte eine Ausnahme bleiben und eine Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen sein, auch sollten nie mehr als 10% der ZGR in einem Hauptzollamt / Befehlsstelle diesen Dienstgrad tragen. Verwendet wurden die Dienstgradabzeichen der gleichrangigen Stammbeamten, die Schulterstücke erhielten eine zollgrüne Spange, wie hier das Schulterstück eines Hilfszollbetriebsassistenten mit grüner Spange.

 

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Vereidigung

Im Januar 1941 bestimmte Finanzstaatssekretär Reinhardt, dass die Angehörigen der ZGR nun auch in feierlicher Form auf den Führer zu vereidigen seien. Damit sollte laut Reinhardt den Reservisten die ihnen übertragene Verantwortung im Zollgrenzschutz eindrucksvoll vor Augen geführt werden.

Die Vereidigung hatte gemäß §4 des Deutschen Beamtengesetzes stattzufinden:
(1) Die besondere Verbundenheit mit Führer und Reich bekräftigt der Beamte mit folgendem Eide, den er bei Antritt seines ersten Dienstes zu leisten hat:
Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe
(2) Gestattet ein Gesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft an Stelle des Eides andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann der Beamte, der Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft ist, diese Beteuerungsformel sprechen.
(3) Erklärt der Beamte, dass er Bedenken habe, den Eid in religiöser Form zu leisten, so kann er ihn ohne die Schlussworte leisten.

Ferner galten folgende Durchführungsbestimmungen:
Vereidigung bei einer Dienststelle, die eine Dienstflagge führt. Vor der Vereidigung ist eine Flaggenhissung durchzuführen.
Vereidigung einer möglichst hohen Zahl von ZGR. Bereits Vereidigte nehmen unter Gewehr teil. Zu vereidigende ZGR tragen nur Seitenwaffen.
HZA-Vorsteher / Befehlsstellenleiter, bzw. Bezirkszollkommissar haben Vereidigung vorzunehmen. In kurzer Ansprache ist auf die Bedeutung des Eides hinzuweisen.
Die Vereidigung endet mit der Führerehrung

Einsatz

Der VGAD nahm an den Besetzungen des Sudetenlandes, Österreichs, der Tschechoslowakei, des Memellandes und an den meisten im Krieg besetzten Länder teil. Im März 1940 wurde zwischen der Wehrmacht, dem Reichsinnenministerium, dem Reichsarbeitsministerium und dem Reichsfinanzministerium vereinbart, dass die Wehrbezirkskommandos, die Arbeitsämter und die Kreispolizeibehörden sich beim Ersatz für Higa zu beteiligen haben, die zur Auffüllung von Mangelberufen freizugeben waren. Der Ersatz wurde bei Landesschützen-Ersatz-Bataillonen in besonderen Zollzügen zu mindestens 60 Mann für 6 Wochen ausgebildet. Ausgestattet wurden die Männer mit Bekleidung, Gewehr, Seitengewehr und 30 Schuss Munition von der Wehrmacht. In den nachfolgenden Jahren wurden immer ältere Jahrgänge des Zollgrenzschutzes auf diese Art für die Wehrmacht und für Mangelberufe herausgelöst, so dass der ZGS ab Mitte 1944 auch auf Männer der Jahrgänge 1896 und älter zurückgreifen musste.

Personalstruktur


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