Eines der weniger bekannten Kapitel in der Geschichte des Zollgrenzschutzes ist der Einsatz von weiblichen Hilfskräften. Dabei ging es um Unterstützungskräfte bei der Durchsuchung von weiblichen Grenzgängern. Auch wenn sich momentan noch die Frage stellt, wie weibliche Personen an den eigentlichen Reichsgrenzen durchsucht wurden, ist nur der Einsatz von sogenannten Durchsuchungsfrauen im besetzten Frankreich bekannt.

Inhaltsverzeichnis
1. Vorgeschichte
2. Einsatz
3. Dienstkleidung & -ränge
4. Erfahrungsbericht

Vorgeschichte
Quelle: Wikipedia Bildquelle: Wikipedia. Siehe dort für Copyright-Bedingungen, welche nur für obiges Bild gelten. Nach dem Waffenstillstand vom Juni 1940 wurde Frankreich in drei Zonen unterteilt:
Besetztes Gebiet (Rot)
Nicht besetztes Gebiet unter der sogenannten Vichy-Regierung (Grün)
Elsass-Lothringen, vom Deutschen Reich annektiert (Blau)

An der Grenze zwischen den beiden ersten Zonen, der Demarkationslinie, wurde eine durchgehende Kette von ZGS-Dienststellen errichtet und die Wehrmacht nach und nach abgezogen. Der Zollgrenzschutz übernahm hier nicht nur die zöllnerische Abwicklung des Warenverkehrs, sondern auch polizeiliche Aufgaben wie Passnachschau und Spionageabwehr. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verhinderung von Waren- und Nachrichtenschmuggel gelegt.


Einsatz
copyright: www.zollgrenzschutz.deDurchsuchungen der Grenzgänger hatten deswegen einen hohen Stellenwert. Für die Durchsuchung weiblicher Grenzgänger wurde bei der Hauptübergangsstelle Vierzon (Befehlsstelle Bourges) zunächst auf die Ehefrauen der Zollgrenzschützer zurückgegriffen. Französinnen einzustellen scheute man aus Gründen der Zuverlässigkeit.
Um eine generelle Lösung zu finden trat das Reichsfinanzministerium an das Deutsche Rote Kreuz heran, das im Sommer 1941 etwa 100 Rot-Kreuz-Helferinnen als Zollgrenzschutz-Helferinnen zur Verfügung stellte. Zunächst beschränkte sich der Einsatz auf die Demarkationslinie, die Kanalinseln und die Biskayaküste. Nach dem Wegfall der Demarkationslinie wurden die Helferinnen ab November 1942 mit ihren bisherigen Dienststellen an die Grenzen mit Spanien, Italien und der Schweiz, sowie an die Mittelmeerküste verlegt. Sofern zeitlich möglich, unterstützten die Helferinnen den Zollgrenzschutz auch bei Verwaltungsarbeiten und im Sanitätsdienst.
Ab 1943 traten Partisanen immer massiver auf, so dass ab diesem Zeitpunkt und insbesondere nach den Invasionen in der Normandie (Juli 1944) und an der Mittelmeerküste (September 1944) ZGS-Helferinnen ihre Dienstkleidung ablegten und sich als Rot-Kreuz-Schwestern örtlichen DRK-Stellen anschlossen. Von den etwa 100 Helferinnen waren am 22.07.1944 noch 68 im Dienst (siehe Statistik rechts), im August sollen es aber wieder 77 gewesen sein. Bei der Kommandostelle in Paris gab es eine Verbindungsführerin zum DRK-Präsidium, die von Bezirksführerinnen unterstützt wurde.

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Zwar ist bisher nur der Einsatz in Frankreich bekannt und belegbar, dennoch scheint es auch in anderen Gebieten Durchsuchungsfrauen gegeben zu haben. Der Kriegsurlaubsschein belegt den Einsatz einer Durchsuchungsfrau beim Zollgrenzschutz Neuburg an der Mosel im Jahr 1944. Der Ort (französisch Noveant-sur-Moselle) lag damals im annektierten Lothringen und gehörte nicht zum Zollgrenzschutz Frankreich, sondern zum Oberfinanzpräsidium Westmark (Saarland). Inwieweit dies für weitere Dienststellen gilt, ist mir nicht bekannt, gleiches gilt für einen eventuellen Einsatz im Osten. Unbeantwortet ist bisher generell die Frage, wie die Durchsuchung weiblicher Personen an der Reichsgrenze organisiert war.

Dienstkleidung & Dienstränge
Bisher ist unklar, ob es eigene ZGS-Uniformen für Frauen gab, gemäß unten stehendem Erfahrungsbericht einer Helferin spricht jedoch einiges dafür. Möglich wäre auch die Verwendung von Dienstkleidung des DRK oder der Nachrichtenhelferinnen der Wehrmacht. Auf den Bildern rechts sieht man sehr gut die unterschiedlichen Bekleidungsstücke, die beim Einsatz in den Pyrenäen Verwendung fanden.
An der Dienstkleidung trugen die Helferinnen den ZGS-Ärmelstreifen, sowie den Kragenspiegelfür Zollgrenzangestellte. Weitere Dienstgrade für die Helferinnen sind zwar unbekannt, wären jedoch denkbar, um die Stellung der Verbindungs- und Bezirksführerinnen hervorzuheben.

Vielen Dank an Jason von Zerneck für das Überlassen nebenstehender Fotos. *

copyright: www.zollgrenzschutz.de
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Erfahrungsbericht
Von Ende 1942 liegt mir ein Bericht einer Zollgrenzschutz-Helferin vor, den sie über ihre ersten Tage im ZGS verfasst hat:
Im Sommer 1941 war sie als Schwester / Helferin des Deutschen Roten Kreuzes in einem Heimatlazarett eingesetzt. Nach dem Gestellungsbefehl fuhr sie mit drei weiteren Helferinnen zur DRK-Zentrale nach Berlin, wo sie sich am nächsten Tag einzufinden hatten. Die insgesamt 54 Helferinnen bekamen in der Kleiderkammer Berlin-Babelsberg weiße Kittel, Schuhe und Handschuhe. Danach wurde das Ziel Paris ohne weitere Informationen genannt, nach zweitägiger Bahnfahrt kamen sie dort an. Die DRK-Feldführerin von Poncet, Bezirkszollkommissar Wagner von der Kommandostelle Paris und deren Leiter Lottner kümmerten sich während des viertätigen Aufenthaltes um die Helferinnen und bereiteten sie mittels Vorträge auf ihre Aufgaben vor. Der dritte Tag war zur freien Verwendung und wurde mit Einkäufen in der Modestadt Paris verbracht. Kurz vor Abreise wurden die genauen Zielorte bekannt gegeben, 37 Helferinnen kamen zur Befehlsstelle Dax. Vom Leiter der Befehlsstelle (Zollrat Kirmße) empfangen, ging es schnell weiter zu den Einsatzorten, den Bezirkszollkommissariaten Beaulac, Mont de Marsan, St. Palais und Orthez (8 Helferinnen). Zunächst wurde der Dienst in Schwesterntracht verrichtet, nach und nach kamen jedoch die zollgrünen Uniformen des ZGS an.

* = Von Zollgrenzschutz-Helferinnen gibt es nur sehr wenige Fotos, vorallem aus dem Einsatz. Jason von Zerneck war sofort bereit, seine Bilder für diese Seite zur Verfügung zu stellen und es entwickelte sich ein sehr angenehmer Kontakt. Leider ist er im Oktober 2008 in Afghanistan gefallen.

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